Serbien drohen wegen Mladic-Begräbnis Konsequenzen der EU
08.09.2026 13:38
Der bosnisch-serbische Milizenführer Mladic hat in Belgrad ein
De-facto-Staatsbegräbnis bekommen. Spitzenvertreter der EU sind
entsetzt und veröffentlichen eine harsche Erklärung.
Brüssel (dpa) - Das EU-Beitrittskandidatenland Serbien muss wegen der
Verherrlichung des gestorbenen Kriegsverbrechers Ratko Mladic mit
Konsequenzen rechnen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
und Ratspräsident António Costa warfen Regierungsvertretern nach der
Beerdigung von Mladic vor, sich einem dunklen Kapitel der jüngeren
europäischen Geschichte nicht zu stellen.
Die Zeichen offizieller Unterstützung und die Anwesenheit ranghoher
serbischer Amtsträger bei der Beerdigung seien zutiefst bedauerlich
und stünden im Widerspruch zu den Werten, auf denen Serbiens Weg in
die Europäische Union beruhe.
Nach Angaben eines Sprechers der EU-Kommission werden derzeit
mögliche nächste Schritte geprüft. Diplomaten zufolge könnten Serbi
en
etwa vorerst Fortschritte im EU-Beitrittsverfahren verwehrt werden.
Denkbar seien zudem finanzielle Konsequenzen wie das Einfrieren von
derzeit geleisteten Unterstützungszahlungen. Serbien ist seit 2012
EU-Beitrittskandidatenland, seit 2014 laufen offiziell Verhandlungen.
Salutschüsse für Kriegsverbrecher
Der im Gefängnis gestorbene bosnisch-serbische Kriegsverbrecher
Mladic war am Montag in der serbischen Hauptstadt Belgrad mit allen
staatlichen und militärischen Ehren beigesetzt worden. Der Zeremonie
auf dem Belgrader Friedhof Topcider wohnten mehrere tausend Menschen
bei, wie serbische Medien berichteten. Eine militärische
Ehrenformation begleitete den Sarg, Soldaten feuerten Salutschüsse
ab.
Von der Leyen und Costa erklärten nun dazu: «Die Bilder von der
gestrigen Beerdigung von Ratko Mladic in Belgrad waren schockierend.
Ratko Mladic war ein verurteilter Kriegsverbrecher. Er war für
Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
verantwortlich.» Man sei in Gedanken bei allen Opfern der Verbrechen,
die in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens begangen worden seien.
