Wadephul warnt vor Abschottungskurs bei AfD-Regierung
08.09.2026 16:51
Die AfD will aus der Eurozone aussteigen und sieht die EU extrem
kritisch. Der deutsche Außenminister und der EU-Handelskommissar
warnen vor nationalen Alleingängen etwa in der Handelspolitik.
Berlin (dpa) - Außenminister Johann Wadephul warnt angesichts einer
möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt vor wirtschaftlicher
Abschottung und den Folgen für Unternehmen in Deutschland. «Ich kann
nur vor einem Weg zurück in nationale Lösungen dringend warnen»,
sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit EU-Handelskommissar
Maros Sefcovic am Rande des Wirtschaftstages bei der jährlichen
Botschafterkonferenz im Auswärtigen Amt in Berlin. Auch Sefcovic
warnte vor nationalen Alleingängen angesichts einer schwierigen
geoökonomischen Lage.
Die AfD will aus der Eurozone aussteigen und sieht die Europäische
Union (EU) extrem kritisch. Nach ihrem starken Abschneiden bei der
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt strebt die Partei dort an die
Regierung. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs könnte damit
eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem
Bundesland an die Macht gelangen.
Wadephul sagte auf die Frage, ob er Auswirkungen auf die
internationale Investitionsbereitschaft in Deutschland und
Sachsen-Anhalt erwarte, falls das Land von der AfD regiert werde:
«Das hoffe ich nicht.» Er betonte aber, nur die EU «gibt uns die
Möglichkeit, auf dem Weltmarkt für annähernd faire Bedingungen für
unsere Industrie zu sorgen. Und deswegen muss jede Gefährdung der
Europäischen Union vermieden werden.» Wer dafür plädiere, die
Eurozone zu verlassen, gefährde den Zusammenhalt in der EU und damit
Wohlstand, Sicherheit und Freiheit.
EU-Handelskommissar: Unsere Einheit ist unsere Stärke
Sefcovic sagte zwar, er könne sich für den Fall einer AfD-Regierung
in dem Bundesland keine negativen Auswirkungen auf Investitionen in
Deutschland oder Sachsen-Anhalt vorstellen. Zugleich wies er aber auf
die Herausforderungen der internationalen Handelspolitik hin, bei der
mit spitzen Ellbogen und Machtpolitik gekämpft werde. All jene, die
über nationale Alleingänge nachdächten, sollten sich vorstellen, wie
es wäre, wenn nicht die EU als Schwergewicht verhandele, sondern wenn
Sachsen-Anhalt oder auch eine große Volkswirtschaft wie Deutschland
dies auf eigene Faust tun müssten. «Unsere Einheit ist unsere
Stärke», sagte der EU-Kommissar.
