Hilfe aus Europa für ukrainische Flugabwehr

08.09.2026 19:05

Europa hat das lange Flehen aus Kiew erhört. Mit einer
Ausnahmeregelung und weiteren 3,2 Milliarden Euro will die EU die
Ukraine beim Schutz ihres Luftraums unterstützen.

Brüssel/Kiew (dpa) - Die Europäische Union hat auf die wochenlangen
Bitten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach besserer
Flugabwehr und dessen Hinweise auf leere Munitionslager reagiert.
Brüssel will der Ukraine nun die Nutzung neuer Finanzhilfen für den
Kauf US-amerikanischer Patriot-Flugabwehrraketen erlauben. Auch aus
Deutschland und Großbritannien erhielt Kiew weitere Zusagen für seine
Flugabwehr, um russische ballistische Raketen abwehren zu können.

Wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ankündigte,
stimmten Mitgliedstaaten einer entsprechenden Ausnahmeregelung zu.
Eigentlich sollen mit EU-Rüstungshilfen bevorzugt europäische
Rüstungsgüter gekauft werden. Der Ukraine sollen den Angaben zufolge
nun möglichst schnell weitere 3,2 Milliarden Euro ausgezahlt werden.
Das Geld werde es dem Land ermöglichen, seinen Luftraum besser vor
den wahllosen Angriffen Russlands zu schützen, schrieb sie in einer
gemeinsam mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte veröffentlichten
Erklärung.

Die Nato ist an dem Vorhaben über die sogenannte Purl-Initiative
beteiligt. Diese sieht vor, dass in den USA hergestellte
Rüstungsgüter für die Ukraine von den europäischen Verbündeten un
d
Kanada finanziert werden. Das frische Geld wird konkret über das
aktuelle EU-Unterstützungsdarlehen für die Ukraine bereitgestellt.
Dieses sieht bis Ende 2027 Zahlungen in Höhe von bis zu 90 Milliarden
Euro vor. Der formelle Auszahlungsbeschluss für die 3,2 Milliarden
Euro soll nach Angaben aus der Kommission in den kommenden Tagen
gefasst werden.

Pistorius kündigt Hilfe für Kiew an

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte der Ukraine
zuvor weitere umfangreiche Waffenlieferungen zur Verteidigung gegen
russische Angriffe zugesagt. Einschüchterungsversuche Russlands und
hybride Angriffe würden weder bei der Ukraine noch bei Deutschland
oder anderen Partnern funktionieren, sagte Pistorius bei einer
Videokonferenz der Ukraine-Kontaktgruppe (UDCG). 

Er habe beschlossen, dringend benötigte PAC-2-Abfangraketen aus
Beständen der Bundeswehr an die Ukraine zu liefern, sagte Pistorius.
Deutschland werde auch seine Lieferungen von Luft-Luft-Raketen aus
Bundeswehrbeständen weiter verstärken. Die Ukraine werde zudem in
Deutschland mehrere Tausend Iris-T-Lenkflugkörper bestellen, die aus
dem EU-Ukraine-Verteidigungskredit finanziert werden. 

Auch London hilft Kiew

Großbritannien will 100 Millionen Pfund in die Purl-Initiative
einbringen, um die Lieferung von Munition für die ukrainischen
Flugabwehrsysteme möglichst noch vor dem Winter zu ermöglichen. Dies
kündigte der britische Verteidigungsminister Wes Streeting an, wie
ukrainische Medien von der Tagung der Kontaktgruppe berichteten.

Selenskyj dankt

Der ukrainische Präsident Selenskyj dankte Deutschland und
Großbritannien für deren Unterstützung. «Das sind genau die
Entscheidungen, die den Frieden näher bringen: Wenn man die
Fähigkeiten des Aggressors zu töten einschränkt», schrieb Selenskyj

auf X. An die Adresse Londons richtete Selenskyj Worte des Dankes und
Lobs für die «unerschütterliche Unterstützung».

Selenskyj hatte in den vergangenen Wochen wiederholt um Munition für
die Patriot-Flugabwehrsysteme gebeten, dem besten Abwehrmittel gegen
die ballistischen Raketen. Angesichts der leeren Munitionsbunker in
der Ukraine nutzte Russland dies zu massiven Angriffen gegen Kiew und
andere zivile Ziele im Nachbarland aus. Daneben sorgten
Drohnenschwärme für weitere zivile Opfer im Nachbarland.

Bei wiederholte Angriffen auf Kiew in der Nacht und im Laufe des
Tages starben nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko
mindestens fünf Menschen. Bei einem russischen Drohnenangriff wurde
das Gebäude des Fernsehsenders «My - Ukrajina» («Wir sind die
Ukraine») in Kiew beschädigt, fünf Menschen wurden verletzt. . Auch
aus anderen Regionen wurden weitere Opfer gemeldet. 

Putin telefoniert mit Trump

Kremlchef Präsident Wladimir Putin telefonierte unterdessen mit dem
US-Präsidenten Donald Trump und erörterte mit ihm die Ergebnisse des
jüngsten Besuchs von US-Vermittlern in Kiew und Moskau. Dabei habe
Putin Trump zugesichert, keine «aggressiven Pläne» in Bezug auf
Europa zu haben, sagte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow.
US-Sondervermittler Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared
Kushner waren am vergangenen Wochenende jeweils separat mit Putin und
Selenskyj zusammengekommen. Nennenswerte Fortschritte in Richtung
einer Friedenslösung wurden nicht bekannt.

Kremlsprecher will einen Sieg nahe sehen 

Inmitten der erneuten US-Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs
gibt sich Moskau siegessicher: «Wir sind überzeugt, dass der Sieg
sehr nah ist», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der
staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. Moskau sei überzeugt
von seinem militärischen Potenzial und seinen Soldaten. Die
Kampfhandlungen liefen sehr erfolgreich, behauptete er. An der Front
gibt es kaum Bewegung, gleichzeitig haben beide Seiten ihren Luft-
und Seekrieg intensiviert. Die Zeichen stehen auf Eskalation.