Wohnungsnot in Europa: EU nimmt Ferienwohnungen ins Visier
09.09.2026 16:50
Wechselnde Übernachtungsgäste statt Familien im Alltag -
Kurzzeitvermietungen belasten vielerorts den Wohnungsmarkt. Was die
EU-Kommission dagegen vorschlägt.
Brüssel (dpa) - Ferienwohnungen für Touristen, steigende Mieten für
Einheimische: In vielen europäischen Städten wächst der Druck auf den
Wohnungsmarkt. Die Europäische Kommission will Kommunen und Behörden
deshalb einen rechtssicheren Rahmen an die Hand geben, um
Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb und Booking stärker
zu begrenzen.
«Wir befinden uns in einer Wohnungskrise, wir müssen handeln», sagte
der EU-Kommissar für Energie und Wohnungswesen, Dan Jørgensen, in
Brüssel. Kurzzeitvermietungen seien ein Teil des Problems, wenn auch
nicht allein verantwortlich.
Gemeinsamer Rahmen, lokale Entscheidungen
Die EU kann zu diesem Thema keine europaweiten verbindlichen Regeln
schaffen. Die EU-Kommission schlägt den zuständigen Behörden vor, wie
sie selbst den Wohnungsmarkt vor Ort bewerten können und welche
Maßnahmen beschlossen werden könnten. Dabei geht es neben
Kurzzeitvermietung unter anderem auch um Zweitwohnungen oder
längerfristigen Leerstand.
Ob Maßnahmen ergriffen werden oder nicht, bleibt jedoch in
nationaler, regionaler und lokaler Zuständigkeit. Die Brüsseler
Behörde betonte, dass es nicht darum gehe, bestimmte Plattformen oder
Geschäftsmodelle zu regulieren. Das Gesetz solle für mehr Sicherheit
sorgen, wie unter anderem Kommunen handeln können, ohne gegen die
Regeln des EU-Binnenmarkts zu verstoßen.
Damit der Vorschlag in Kraft tritt, ist die Zustimmung des
Europäischen Parlaments und der EU-Mitgliedstaaten nötig.
Jørgensen: Gesetz wird Wohnungsprobleme nicht sofort lösen
«Wir wissen, dass dies nicht von heute auf morgen zu erschwinglichen
Wohnungen für alle in Europa führen wird - das ist klar», sagte
Jørgensen. Aber dadurch könne ein Faktor, der dazu geführt habe, dass
Menschen ihre Wohnung aufgeben und Städte verließen, angegangen
werden.
Kritik an dem Gesetzentwurf wurde nach der Vorstellung laut: «Die
zentrale Frage ist, warum zu wenig gebaut wird und welche
europäischen Rechtsakte dem Bauen im Wege stehen», kritisierte Markus
Ferber (CSU), Abgeordneter im Europäischen Parlament. Die Kommission
setze hier auf den falschen Weg.
Die Präsidentin der EU-Regionen, Kata Tüttö, sprach von einem ersten
wichtigen Schritt, verwies aber auch auf die Notwendigkeit von mehr
Investitionen. Der Entwurf stehe im Widerspruch zum Vorschlag der
EU-Kommission für den EU-Haushalt für die Jahre 2028 bis 2034. Darin
schwäche sie die Rolle der Städte und Regionen bei der Steuerung der
EU-Investitionen drastisch und streiche alle Finanzinstrumente, die
bisher von den lokalen Behörden zur Unterstützung und zur
Verbesserung der Qualität ihrer Wohnungsbaustrategien genutzt
würden.
Kai Warnecke, Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund, sah
gegenüber der Funke Mediengruppe die Ursache einer europäischen
Wohnungskrise nicht in Kurzzeitvermietungen. «Richtig ist deshalb,
dass Eingriffe nur dort möglich sein sollen, wo tatsächlich
nachgewiesen werden kann, dass Kurzzeitvermietungen den regulären
Wohnungsmarkt über Jahre spürbar belasten.» Dafür brauche es keine
europäischen Vorgaben.
Millionen Übernachtungen
2025 waren nach Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat 11,2
Prozent der deutschen Bevölkerung durch Wohnkosten überbelastet, das
heißt ihre Haushalte mussten mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren
Einkommens für das Wohnen aufbringen. Im EU-Durchschnitt betrifft
dies 7,7 Prozent.
Wie viele Wohnungen in Deutschland für kurze Zeit vermietet werden,
ist unklar. Allein über die drei großen Online-Plattformen Booking,
Airbnb und Expedia wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des
Statistischen Bundesamts 68,3 Millionen Übernachtungen gebucht.
Die Situation unterscheidet sich laut EU-Kommission europaweit
deutlich. Besonders in Städten, die bereits unter großem Druck auf
dem Wohnungsmarkt stehen, gibt es viele Kurzzeitvermietungen. Im
Zentrum von Madrid kommen beispielsweise rund 40 Kurzzeitvermietungen
auf 100 Wohnungen, die dem Langzeitmietmarkt zur Verfügung stehen.
