Geheimdienst warnte vor Massenankunft von Migranten in Ceuta
09.09.2026 21:48
Ende Juli kamen binnen Stunden Zehntausende Migranten nach Ceuta.
Neue Dokumente geben nun Einblick in die Warnungen des spanischen
Geheimdienstes vor der beispiellosen Massenankunft in der Exklave.
Madrid/Brüssel (dpa) - Der spanische Geheimdienst CNI hat die
Behörden in Ceuta einen Tag vor der beispiellosen Massenankunft von
Migranten Ende Juli vor einem möglichen «Überfall über Land und Mee
r»
auf die Nordafrika-Exklave gewarnt. Das geht aus geheimen Unterlagen
hervor, die von der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez in
Madrid nun freigegeben wurden.
Demnach informierte der CNI am 29. Juli sowohl die
Regierungsvertretung in Ceuta als auch die Polizeieinheit Guardia
Civil über Aufrufe in sozialen Netzwerken, am folgenden Tag die
Grenze zu überqueren. Nach diesen Warnungen hatten zwei entsprechende
Gruppen zusammen rund 180.000 Follower.
In einer weiteren Mitteilung des CNI war von geplanten Versuchen die
Rede, schwimmend und über den Grenzzaun nach Ceuta zu gelangen. Der
CNI informierte nach den jetzt freigegebenen Unterlagen auch die
marokkanischen Behörden.
Tausende Migranten halten sich noch in Ceuta auf
Am 30. und 31. Juli kamen nach Regierungsangaben bis zu 80.000
Migranten von Marokko aus nach Ceuta. Die meisten kehrten
anschließend nach Marokko zurück. Tausende halten sich jedoch
weiterhin in der spanischen Exklave auf.
Die Regierung gab rund 40 Dokumente aus der Zeit zwischen dem 1. Juli
und dem 1. August frei. Sánchez will damit nach eigenen Angaben
belegen, dass die Regierung vor der Massenankunft nicht vor einer
solchen Dimension gewarnt worden sei. Eine Stellungnahme zu den neuen
Veröffentlichungen gab es zunächst weder von der Regierung noch von
der Opposition.
EU schnürt millionenschweres Hilfspaket
In Brüssel hatte am Nachmittag die EU angekündigt, Spanien rund 115
Millionen Euro zur Bewältigung der Migrationskrise in Ceuta zur
Verfügung zu stellen. Mit dem Geld sollen der Grenzschutz und die
Grenzüberwachung verstärkt werden. Zudem geht es um die
menschenwürdige Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger und die
Rückführung von Menschen ohne Aufenthaltsrecht, wie die EU-Kommission
mitteilte.
Der spanische Außenminister José Manuel Albares bezeichnete die
Ankündigung am Abend nach Gesprächen mit EU-Vertretern als
fantastisch. Zugleich machte er allerdings deutlich, dass dies aus
spanischer Sicht nur ein erster Schritt sein kann.
Spanien will Ceuta in Zollunion bringen
Die südliche EU-Außengrenze müsse von der EU die gleiche
Aufmerksamkeit erhalten wie die östliche Grenze, sagte Albares. Er
erkenne an, dass man im Osten mit einer militärischen Bedrohung
konfrontiert sei, die mit keiner Bedrohung an einer anderen Grenze
vergleichbar sei. Zugleich gebe es aber auch nichts, was mit der
Herausforderung an der Grenze zu Afrika und dem daraus resultierenden
Migrationsdruck vergleichbar wäre. Wegen der Bildungs- und
Einkommensunterschiede zwischen Afrika und Europa werde der
Migrationsdruck auch in Zukunft sehr hoch bleiben, sagte er.
Laut Albares sollte deshalb umfangreiche zusätzliche Unterstützung
geprüft werden. Er informierte die EU-Kommission nach eigenen Angaben
zudem darüber, dass Spanien beantragen wird, die beiden Exklaven
Ceuta und Melilla in die EU-Zollunion aufzunehmen. Die Aufnahme war
1986 beim EU-Beitritt Spaniens zunächst nicht erfolgt.
