EZB stemmt sich mit höheren Zinsen gegen Inflationsschub Von Jörn Bender und Alexander Sturm, dpa
10.09.2026 14:22
Der Iran-Krieg treibt die Preise fürs Tanken und Heizen hoch. Die EZB
reagiert mit einer weiteren Zinserhöhung auf die gestiegene
Inflation. Das hat Folgen für Sparer, Kreditnehmer und Firmen.
Frankfurt/Berlin (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert
mit der zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr auf den Ölpreisschock
infolge des Iran-Kriegs. Die Notenbank hebt den für Banken und Sparer
wichtigen Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent an. Das entschied der
EZB-Rat, der ausnahmsweise nicht am Sitz der Zentralbank in
Frankfurt, sondern in Berlin tagte. Einmal im Jahr wird das Treffen
des EZB-Rats von einer nationalen Zentralbank ausgerichtet, in diesem
Jahr ist die Deutsche Bundesbank Gastgeber.
«Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und
die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über
unserem Zielwert bleiben», erklärte die Notenbank. Der Ausblick sei
«nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet», wobei eine höhere
Inflation und weniger Wirtschaftswachstum drohe.
Höhere Leitzinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was
die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Sparer
können profitieren, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben.
Zugleich jedoch sind steigende Zinsen eine Belastung für alle, die
investieren wollen - von Privathaushalten bis Unternehmen. Hebt die
EZB die Zinsen zu stark an, kann das die Konjunktur abwürgen.
Iran-Krieg heizt Inflation an
Wichtigstes Ziel der Notenbank ist es, die Inflation im Zaum zu
halten und für einen stabilen Euro zu sorgen. Der seit Ende Februar
schwelende Krieg zwischen den USA und dem Iran hat die Teuerung
kräftig nach oben getrieben.
Im August waren die Verbraucherpreise im Euroraum nach einer ersten
Schätzung der Statistikbehörde Eurostat 3,3 Prozent höher als im
Vorjahresmonat. Das ist die höchste Teuerungsrate seit September 2023
und liegt weit über dem Ziel der EZB, die mittelfristig
Preisstabilität bei 2,0 Prozent Inflation für die Eurozone anpeilt.
Je höher die Inflationsrate, umso geringer die Kaufkraft der
Menschen. Sie können sich dann für einen Euro weniger leisten.
In Europas größter Volkswirtschaft Deutschland hatten hohe
Energiepreise die Inflation im August auf 2,9 Prozent getrieben. Auch
andere große Euroländer wie Frankreich und Spanien meldeten erhöhte
Teuerungsraten.
Sparzinsen gestiegen
Von höheren Zinsen profitieren Sparer: Laut einer Analyse des
Vergleichsportals Verivox sind die Tagesgeldzinsen für Neukunden
gestiegen, bei befristeten Angeboten sind in der Spitze mehr als vier
Prozent drin (Stand 8. September). Die durchschnittlichen
Festgeldzinsen stiegen demnach bei bundesweit verfügbaren Anlagen mit
zwei Jahren Laufzeit deutlich auf 2,55 Prozent.
Für Immobilienkäufer und Bauherren sind steigende Kapitalmarktzinsen
dagegen von Nachteil, auch wenn sich die Bauzinsen nicht direkt am
Leitzins orientieren. Nach einer Analyse des Geldratgebers Finanztip
sind die Effektivzinsen für Immobilienkredite mit zehn Jahren
Zinsbindung auf rund 4,2 Prozent geklettert. Das sei der höchste
Stand seit Ende 2023.
Teure Energie könnte auch andere Preise treiben
Der Druck auf die EZB lässt vorerst nicht nach. Zuletzt flammte der
Iran-Konflikt wieder auf. Weil die für den Welthandel wichtige Straße
von Hormus seit Monaten faktisch blockiert ist, sind die Rohölpreise
deutlich gestiegen. Autofahrer spüren das an den Tankstellen,
Hausbesitzer bei den Heizölpreisen. Auch die Gaspreise zogen an. Da
Europa unter dem Strich Energie importiert, schlagen die hohen Preise
unmittelbar auf die Teuerung durch.
Je länger die Energiepreise hoch bleiben, umso größer das Risiko,
dass auch andere Preise steigen, weil zum Beispiel Transport und
Kühlung von Lebensmitteln teurer werden. Dazu kommen die Folgen von
Hitze und Trockenheit, die die Ernte schmälern oder, wie das
Niedrigwasser am Rhein, Lieferungen verteuern. Zudem fürchtet die EZB
Zweitrundeneffekte: Steigen Löhne als Reaktion auf hohe Inflation zu
stark, könnte das die Preise weiter nach oben treiben.
Hebt die EZB die Leitzinsen weiter an?
Im Juni hatte die EZB angesichts eines Inflationsschubs infolge des
Iran-Kriegs erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben.
Die Notenbank will eine erneute Preiswelle im Euroraum unbedingt
verhindern. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 stand sie in der
Kritik, den damaligen Preisanstieg in der Energiekrise lange
unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte bis auf
mehr als zehn Prozent hoch. Da die Inflation zuletzt wieder deutlich
angezogen hat, halten Volkswirte weitere Zinserhöhungen der EZB in
diesem Jahr für möglich.
