EZB erwartet wegen Iran-Krieg länger erhöhte Inflation
10.09.2026 14:41
Der Energiepreisschock ist nicht verdaut: Die Inflation im Euroraum
dürfte so schnell nicht wieder sinken, glaubt die EZB. Zugleich wird
die Notenbank zuversichtlicher, was die Konjunktur angeht.
Frankfurt/Main (dpa) - Die Menschen im Euroraum müssen sich nach
Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bis mindestens 2027
auf eine erhöhte Teuerungsrate einstellen. Für das laufende Jahr
erwartet die Notenbank weiterhin 3,0 Prozent Inflation, wie sie auf
Basis jüngster Prognosen mitteilte. Der Wert liegt deutlich über der
mittelfristig angepeilten Marke von 2,0 Prozent, bei der die EZB ihr
wichtigstes Ziel gewahrt sieht: für einen stabilen Euro zu sorgen und
so die Kaufkraft der Menschen zu erhalten.
Auch 2027 mit 2,5 Prozent und 2028 mit 2,1 Prozent wird die Zielmarke
bei der Inflation nach Einschätzung der EZB verfehlt werden. Im
August waren die Verbraucherpreise im Euroraum nach erster Schätzung
der Statistikbehörde Eurostat 3,3 Prozent höher als im
Vorjahresmonat. Das ist die höchste Teuerungsrate seit September
2023.
Mit dem Iran-Krieg sind die Energiepreise im Euroraum stark
gestiegen, was Autofahrer beim Tanken und Hausbesitzer beim Heizen
spüren. Der Preis für Brent-Öl stieg zuletzt über die Marke von 100
Dollar je Barrel (159 Liter).
Wirtschaft hält sich robuster als erwartet
Zugleich wird die EZB etwas optimistischer, was das
Wirtschaftswachstum angeht: Für 2026 veranschlagt sie nun ein Plus
von 0,9 Prozent, bei der Prognose vor drei Monaten waren es noch 0,8
Prozent. Auch die Erwartungen für 2027 wurden etwas erhöht auf 1,4
Prozent Wachstum. 2028 rechnet die EZB dann mit einem Plus von 1,5
Prozent im Euroraum.
Trotz des Ölpreisschocks ist die Wirtschaft im Währungsraum im
zweiten Quartal 2026 um 0,6 Prozent zum Vorquartal gewachsen, auch
Europas größte Volkswirtschaft Deutschland entwickelte sich mit drei
Wachstumsquartalen in Folge besser als erwartet.
