Taiwans Vize-Präsidentin zu Geheimbesuch in Italien

11.09.2026 06:59

Hsiao Bi-khim reist zu einer Demokratie-Konferenz auf eine kleine
italienische Insel. Doch ihr Besuch wird erst zum Beginn publik.
Warum die Reise lange geheim gehalten wurde.

Taipeh/Ventotene (dpa) - Taiwans Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim ist zu
einem zunächst geheim gehaltenen Besuch in Italien eingetroffen. Sie
werde an der Zweiten Europäischen Konferenz für Freiheit und
Demokratie auf der kleinen Insel Ventotene teilnehmen, teilte das
taiwanische Präsidialamt mit. Außenminister Lin Chia-lung begleite
Hsiao, sagte Präsidialamtssprecherin Karen Kuo. 

Die dreitägige Konferenz mit bekannten Aktivistinnen wie der
Kremlgegnerin Julia Nawalnaja und der belarussischen
Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja wurde von der
Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Pina Picierno, initiiert und vom
italienischen Verbindungsbüro des Parlaments organisiert. Erst zu
Konferenzbeginn am Donnerstag machte Picierno Hsiaos Besuch bekannt,
der ihr zufolge wegen Drohungen Chinas gegen Taiwans Politiker zuvor
geheim gehalten worden war.

Druck aus Peking

Chinas Kommunistische Partei zählt das unabhängig regierte Taiwan zum
Gebiet der Volksrepublik. Peking sieht Taiwans regierende
Demokratische Fortschrittspartei (DPP), der Hsiao angehört, als
Separatisten, weil sie für eine Unabhängigkeit Taiwans steht, obwohl
die Regierung eine formelle Erklärung dessen bislang nicht angestrebt
hatte. Peking droht, Taiwan auch unter Einsatz des Militärs an sich
binden zu wollen. 

«Niemand kann darüber entscheiden, wer in Ventotene beherbergt wird
und wer nicht», sagte Picierno. Vor allem dürfe nicht ein «Regime»

wie das in China darüber entscheiden, erklärte sie, wie ein Video
zeigte. Hsiaos Besuch sei eine «sehr wichtige Botschaft», sagte
Picierno.

Seltene Auslandsreise

Es ist Hsiaos dritte Europa-Reise seit dem Wahlsieg der DPP 2024.
Zuvor war sie im März 2024 als designierte Vizepräsidentin in Prag
und im November 2025 in Brüssel gewesen. In Prag hatten chinesische
Agenten ihre Wagenkolonne laut Medienberichten verfolgt, wobei es
fast zu einem Zusammenstoß gekommen war. Der tschechische
Geheimdienst brachte den Vorfall später mit einer chinesischen
Operation in Verbindung, die sich gegen Hsiao richtete und aus
Überwachung und Einschüchterung bestand.

Taiwan bemüht sich schon länger, die Beziehungen zu Europa durch
hochrangige Besuche und parlamentarische Austauschprogramme zu
vertiefen. China lehnt hochrangige Auslandsbesuche taiwanischer
Amtsträger ab und versucht diese durch Druck einzuschränken.