Ehemalige EU-Kommissarin Emma Bonino gestorben

11.09.2026 11:15

Sie war italienische Außenministerin, wollte auch erste Präsidentin
ihres Landes werden. Seit mehreren Jahren litt sie an Krebs. Jetzt
ist Emma Bonino im Alter von 78 Jahren gestorben.

Rom (dpa) - Die ehemalige italienische Außenministerin und
EU-Kommissarin Emma Bonino ist tot. Die Politikerin starb im Alter
von 78 Jahren, wie ihre Partei Più Europa (Mehr Europa) mitteilte.
Die Politikerin war von 1995 bis 1999 innerhalb der EU-Kommission für
Verbraucherschutz zuständig. Später wurde Bonino in ihrem Heimatland
Europa-Ministerin und danach auch Außenministerin.

«Heute verlieren wir nicht nur unsere Vorsitzende, wir verlieren eine
der klarsten, mutigsten und freiesten Persönlichkeiten in der
politischen Geschichte unseres Landes und der freien Welt», erklärte
die Partei in den sozialen Medien.

Bonino kämpfte für Legalisierung der Abtreibung

Bekanntheit erlangte Bonino in den 1970er Jahren als prominente
Vertreterin der Partei Partito Radicale (Radikale Partei), die vor
allem radikal-liberale Positionen vertrat. Im stark katholisch
geprägten Italien der 1970er Jahre kämpfte sie erfolgreich für die
Legalisierung der Abtreibung. Mit 26 Jahren wurde sie schwanger und
nahm selbst eine damals illegale Abtreibung vor.

Bonino war seit langer Zeit gesundheitlich angeschlagen. Anfang der
Woche musste sie wegen Atemnot in ein Krankenhaus in Rom eingeliefert
werden. Bis Donnerstag wurde sie auf der Intensivstation behandelt
und in eine private Einrichtung verlegt. Medienberichten zufolge
basierte diese Entscheidung auf einer Übereinkunft ihres privaten
Arztes und den Ärzten im Krankenhaus.

Seit Krebsdiagnose immer mit Kopftüchern

Ihr Ansehen in Italien war bis zuletzt hoch. 2013 hatte sich Bonino
darum bemüht, als erste Frau italienische Staatspräsidentin zu
werden. In den Umfragen lag sie sogar lange Zeit vorn. Schließlich
wurde jedoch der damalige Amtsinhaber Giorgio Napolitano (1925-2023)
wiedergewählt. 

Nach ihrer Krebsdiagnose im Jahr 2015 zeigte sie sich in der
Öffentlichkeit fast immer mit farbenfrohen Kopftüchern. Mehrere Jahre
nach der Diagnose und verschiedenen Therapien erklärte sie,
vollständig geheilt zu sein.