Desinfektionsmittel statt Wein - Hilfe für Winzer läuft an
11.09.2026 11:27
Der Weinkonsum geht zurück, viel Wein ist auf dem Markt - nicht
einfach für Winzer. Die EU hat für zwei bedeutende Anbauregionen den
Weg für eine Lösung frei gemacht. In Kürze läuft das Verfahren an.
Mainz (dpa/lrs) - Eine Unterstützungsmaßnahme für die in der Krise
steckende Weinbranche läuft in Kürze an. Ab Mitte September können
Winzer aus den Anbaugebieten Rheinhessen und Württemberg Anträge für
die sogenannte Krisendestillation stellen, wie das
rheinland-pfälzische Weinbauministerium in Mainz mitteilte.
Hintergrund ist, dass zu viel Wein auf dem Markt ist. Angesichts
dessen können Winzer aus Rheinhessen und Württemberg, dem größten
beziehungsweise viertgrößten der 13 Anbaugebiete in Deutschland,
künftig überschüssige Mengen auch zu Industriealkohol
weiterverarbeiten. Dem hatte die EU-Kommission nach einem deutschen
Antrag zugestimmt. Zugelassen sind Weine des Jahrgangs 2025 und
älter.
Winzer müssen zunächst Mengen melden
Destillieren die Winzer aus den beiden Anbaugebieten Rotweine oder
Roséweine zu Industriealkohol, bekommen sie dafür eine finanzielle
Förderung von 43 Cent pro Liter. Hinzu kommen 16 Cent pro Liter für
Logistik- und Brennkosten. Die EU stellt nach Angaben des
Ministeriums in Mainz Rheinland-Pfalz dafür 10,33 Millionen Euro aus
der EU-Agrarreserve zur Verfügung. Damit könne die Destillation von
bis zu 17,5 Millionen Litern Wein unterstützt werden.
Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, darf bei der
Krisendestillation gewonnener Alkohol ausschließlich für industrielle
Zwecke genutzt werden, etwa für Desinfektionsmittel und Energie. Eine
Verwendung für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist nicht
zulässig. Interessierte Winzer müssen in einem ersten Schritt beim
Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) die Menge an Wein
angeben, die sie destillieren möchten.
