) Ehemalige EU-Kommissarin Emma Bonino gestorben
11.09.2026 11:48
Sie war italienische Außenministerin, wollte auch erste Präsidentin
ihres Landes werden. Jahrelang litt sie an Krebs, später musste sie
wegen Atemproblemen behandelt werden. Jetzt ist Emma Bonino tot.
Rom (dpa) - Die ehemalige italienische Außenministerin und
EU-Kommissarin Emma Bonino ist tot. Die Politikerin starb im Alter
von 78 Jahren, wie ihre Partei Più Europa (Mehr Europa) mitteilte.
Die Politikerin war von 1995 bis 1999 innerhalb der EU-Kommission für
Verbraucherschutz zuständig. Später wurde Bonino in ihrem Heimatland
Europa-Ministerin und danach auch Außenministerin.
«Heute verlieren wir nicht nur unsere Vorsitzende, wir verlieren eine
der klarsten, mutigsten und freiesten Persönlichkeiten in der
politischen Geschichte unseres Landes und der freien Welt», erklärte
die Partei in den sozialen Medien.
Bonino kämpfte für Legalisierung der Abtreibung
Bekanntheit erlangte Bonino in den 1970er Jahren als prominente
Vertreterin der Partei Partito Radicale (Radikale Partei), die vor
allem radikal-liberale Positionen vertrat. Im stark katholisch
geprägten Italien der 1970er Jahre kämpfte sie erfolgreich für die
Legalisierung der Abtreibung. Mit 26 Jahren wurde sie schwanger und
nahm selbst eine damals illegale Abtreibung vor.
Bonino war seit langer Zeit gesundheitlich angeschlagen. Anfang der
Woche musste sie wegen Atemnot in ein Krankenhaus in Rom eingeliefert
werden. Bis Donnerstag wurde sie auf der Intensivstation behandelt
und danach in eine private Einrichtung verlegt. Medienberichten
zufolge basierte diese Entscheidung auf einer Übereinkunft ihres
privaten Arztes und den Ärzten im Krankenhaus.
Seit Krebsdiagnose immer mit Kopftüchern
Ihr Ansehen in Italien war bis zuletzt hoch. 2013 hatte sich Bonino
darum bemüht, als erste Frau italienische Staatspräsidentin zu
werden. In den Umfragen lag sie sogar lange Zeit vorn. Schließlich
wurde jedoch der damalige Amtsinhaber Giorgio Napolitano (1925-2023)
wiedergewählt.
Nach ihrer Lungenkrebsdiagnose im Jahr 2015 zeigte sie sich in der
Öffentlichkeit fast immer mit farbenfrohen Kopftüchern. Mehrere Jahre
nach der Diagnose und Therapien erklärte sie, vollständig geheilt zu
sein. Ab 2024 musste sie jedoch immer wieder wegen Atemproblemen
behandelt werden.
Meloni bekundet Beileid
Italiens rechte Regierungschefin Giorgia Meloni bezeichnete Bonino
auf der Nachrichtenplattform X als «starke und unverwechselbare
Stimme der italienischen Politik». Ihre politischen Ansichten seien
zwar sehr unterschiedlich gewesen, dennoch erkenne sie Boninos
Bedeutung und Rolle im öffentlichen Leben Italiens an. Meloni sprach
Boninos Angehörigen ihr Mitgefühl aus.
EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola schrieb ebenfalls bei X:
«Europa, für das sie gekämpft hat, wird sie vermissen.» Bonino habe
nie gewartet, sondern sich stets entschieden, voranzugehen und
anderen den Weg zu weisen.
