Kanada will «einzigartige Allianz» mit EU aufbauen

14.09.2026 05:56

Kanadas Premier Carney strebt eine Annäherung an die EU an.
Hintergrund ist der Handelsstreit mit den USA.

Ottawa (dpa) - Vor dem Hintergrund des eskalierenden Handelsstreits
mit den USA wendet sich Kanada stärker der EU zu. Premierminister
Mark Carney sagte Medienberichten zufolge am Sonntagabend in Toronto,
sein Land strebe keine EU-Mitgliedschaft an, sondern wolle eine
«einzigartige Allianz» mit der Europäischen Union aufbauen. «Wir
teilen dieselben Werte, wir haben dieselben Prioritäten und wir
verfügen über sich gegenseitig sehr ergänzende Stärken.»

Carney reagierte damit auf einen Bericht des «Wall Street Journals»
vom Samstag. Die Zeitung hatte unter Berufung auf Vertreter der EU
und Kanadas berichtet, Carney prüfe die Möglichkeit einer
«assoziierten EU-Mitgliedschaft». Demnach sei auch die EU offen
dafür. Seit Monaten gibt es laut dem Bericht Gespräche zwischen
kanadischen und europäischen Beamten. 

Geprüft werde unter anderem, wie Kanada an den europäischen
Binnenmarkt angebunden werden könnte - etwa in Bezug auf Energie,
Künstliche Intelligenz, Verteidigung und kritische Mineralien, heißt
es in dem «WSJ»-Bericht weiter. Dann könnten Waren, Dienstleistungen

und Arbeitskräfte aus diesen Branchen reibungslos zwischen Europa und
Kanada verkehren. 

Carneys geplanter Auftritt vor Europäischem Parlament 

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump vor rund
eineinhalb Jahren befinden sich die eng verflochtenen Nachbarstaaten
Kanada und die USA in einem Handelskonflikt, der zuletzt mit Zöllen
und Gegenzöllen eskalierte. Experten sind sich einig, dass beide
Länder unter den Auswirkungen des Handelskonflikts leiden, sie
insgesamt für die wesentlich kleinere Volkswirtschaft Kanada aber
deutlich spürbarer sind als für die USA. Carney erhält in Kanada
große Unterstützung für seine Reaktion auf Trumps Kurs, den dort
viele als erratisch und ungerecht empfinden. 

Der Premierminister reist diese Woche nach Europa, wo er unter
anderem vor dem Europäischen Parlament sprechen soll. Die EU ist
Kanadas zweitgrößter Handelspartner nach den USA.