Merz & Co. dringen auf mehr EU-Einsatz für Arktis

14.09.2026 14:27

Deutschland und weitere EU-Staaten wollen die Präsenz in der Arktis
deutlich verstärken - vor allem wegen der Bedrohungen aus einer
Richtung.

Rovaniemi (dpa) - Deutschland und andere führende EU-Staaten nehmen
den Kampf um Einfluss in der Arktis auf und wollen dabei Russland,
China und den USA Paroli bieten. Bei einem Gipfeltreffen in der
nordfinnischen Stadt Rovaniemi am Polarkreis verpflichteten sich
Bundeskanzler Friedrich Merz und Spitzenvertreter aus elf weiteren
Ländern dazu, ihr Engagement über die EU auszubauen und dafür auch
die entsprechenden Ressourcen bereitzustellen.

«Wir sind uns einig, dass die EU ihre Aktivitäten verstärken muss, um

Stabilität, nachhaltige Entwicklung und Wohlstand zu fördern und
zugleich ihre Interessen zu schützen», heißt es in einer gemeinsamen

Erklärung. Die EU müsse in der europäischen Arktis strategischer und

proaktiver handeln.

Konkret sollen nach dem Willen der Unterzeichner etwa die Überwachung
und der Informationsaustausch verbessert und ein gemeinsames Lagebild
geschaffen werden. Zugleich wird dafür geworben, Investitionen in
Verkehrswege, digitale Netze, militärische Mobilität und andere
Infrastruktur zu steigern - auch mit Blick auf hybride Bedrohungen
und den Schutz kritischer Anlagen an Land und auf See. Wirtschaftlich
sehen die Länder Chancen vor allem bei kritischen Rohstoffen,
Raumfahrt, Schifffahrt, Konnektivität und Tourismus. Ziel ist, die
Region sicherer zu machen und zugleich ihre wirtschaftlichen
Potenziale besser zu nutzen.

Russland als größte Bedrohung

Als Hintergrund des Vorstoßes werden ein verschärfter
Großmachtwettbewerb, die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen
die Ukraine, Chinas gewachsenes sicherheitspolitisches Interesse
sowie die sich beschleunigenden und gravierenden Auswirkungen des
Klimawandels genannt. «Die Arktis befindet sich in einem raschen und
tiefgreifenden Wandel, der zunehmend Auswirkungen auf die Sicherheit
und Stabilität Europas hat», heißt es in dem Text.

Geografisch liegen vor allem die nördlichen Teile der EU-Länder
Finnland und Schweden im Arktisgebiet. Zudem ist für die EU auch
Grönland äußerst relevant. Die riesige Arktisinsel ist zwar nicht
Teil der EU, gehört aber zum Königreich Dänemark. Die umstrittenen
Kontrollansprüche von US-Präsident Donald Trump auf das
rohstoffreiche Territorium werden in der Erklärung nicht explizit
erwähnt. Die Unterzeichner begrüßen allerdings ein kürzlich von der

EU-Kommission angekündigtes Investitionspaket im Umfang von 200
Millionen Euro.

Als größte Bedrohung wird in der Erklärung Russland genannt -
insbesondere wegen der feindseligen Haltung Moskaus gegenüber Europa
sowie der Zunahme hybrider Aktivitäten. Darunter versteht man eine
Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen
und propagandistischen Mitteln. Dazu zählen Sabotageattacke gegen
Seekabel, Cyberattacken und Desinformationskampagnen.