Studie: Steigende Energiepreise größtes Inflationsrisiko

15.09.2026 00:05

Immer höhere Preise für fossile Energieträger führen zu immer wenig
er
Kaufkraft bei den Menschen. Laut Wissenschaftlern können mehr
Windräder- und Solarzellen helfen.

Brüssel (dpa) - Wenn die Energiepreise weiter steigen, wirkt sich das
unmittelbar auf die Teuerungsrate aus: Bei einem Anstieg der Öl- und
Gaspreise um jeweils 10 Prozent könnte die Gesamtinflation in
Deutschland um bis zu 0,22 Prozentpunkte zunehmen, heißt es in einer
Studie der Brüsseler Denkfabrik New Economics Foundation (NEF).

Zudem modellierten die Forscher einen Anstieg der Öl- und Gaspreise
um 50 Prozent. Ihren Berechnungen zufolge könnte ein solcher Anstieg
die ohnehin vorhandene Inflation in Europa im folgenden Jahr um bis
zu 1,8 Prozentpunkte erhöhen. Laut der Analyse stellt ein Anstieg der
Preise für fossile Brennstoffe in fast allen Ländern Europas das
größte Inflationsrisiko dar. 

Experten fordern Ausbau von Erneuerbaren

Der Ausbau heimischer Wind- und Solarenergie zur Abwendung der
Klimakrise sei daher zugleich entscheidend, um die Inflation zu
begrenzen. Maike Schmidt von der NEF sagt: «Der Preis fossiler
Brennstoffe war in den vergangenen 50 Jahren der Auslöser für die
meisten großen Phasen hoher Inflation in Europa - vom OPEC-Embargo in
den 1970er-Jahren über den Einmarsch Russlands in die Ukraine bis hin
zu den Angriffen der USA und Israels auf den Iran.» Die Abhängigkeit
von den volatilen Preisen für Öl und Gas zu beenden, sei der einzige
Weg, die Inflation auf dem gesamten Kontinent zu begrenzen.

Weiter hieß es: Europa sei nur unzureichend auf solche Schocks
vorbereitet, da die von der Europäischen Zentralbank (EZB)
festgelegten vergleichsweise hohen Zinssätze den Aufbau einer
Infrastruktur für erneuerbare Energien sehr teuer machten. Die
Wissenschaftler empfehlen, dass die EZB einen separaten, niedrigeren
Zinssatz für grüne Investitionen wie Wind- und Solarenergie festlegt.
«Auf diese Weise könnte die EZB den Leitzins erhöhen, ohne die
Kreditaufnahme für grüne Investitionen so stark zu verteuern, dass
diese wirtschaftlich nicht mehr tragfähig wären.»