Kommt ein Social-Media-Verbot für Kinder? Antworten erwartet
16.09.2026 04:00
Haben Kinder etwas in Chats und auf Videoplattformen zu suchen? Ein
Mindestalter für Social Media & Co. wird in Deutschland und anderen
Ländern diskutiert. Heute könnte der Rahmen klarer werden.
Straßburg (dpa) - Ab welchem Alter Kinder und Jugendliche in sozialen
Medien und auf anderen Plattformen im Netz aktiv sein dürfen, wird
breit diskutiert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat
einen Vorschlag der EU angekündigt - und will heute (ab 9.00 Uhr)
auch darüber sprechen. Es wird erwartet, dass sie in ihrer Rede zur
Lage der Union im Europäischen Parlament in Straßburg neue Projekte
und Initiativen für die nächsten zwölf Monate ankündigt.
«Wir müssen uns nicht mit einer Kindheit abfinden, die von
Algorithmen geprägt ist. Wir müssen uns nicht mit einem System
abfinden, das unsere Kinder im Stich lässt», schrieb die Politikerin
vorab auf der Plattform X. Europa habe die Macht, zu handeln. «Um
Kindern die Zeit zu geben, die sie in der realen Welt brauchen.» In
ihrer Rede zur Lage der Union werde sie den Vorschlag der
EU-Kommission näher erläutern, der dann am Donnerstag offiziell
vorgestellt werden soll.
Deutschland braucht die EU-Kommission
Was die EU-Kommission vorhat, ist auch für die deutsche Debatte über
ein Social-Media-Verbot entscheidend. Die Brüsseler Behörde hat in
Teilen der Digitalpolitik ein Vorrecht. Deutschland darf
grundsätzlich selbst der Bevölkerung vorschreiben, ab welchem Alter
Social Media erlaubt ist. Dann müssten Eltern kontrollieren, ob sich
ihre Kinder an die Regeln halten. Sollen die großen Plattformen wie
TikTok, Snapchat, Instagram und Co. in die Verantwortung genommen
werden, kann das nur die EU-Kommission durchsetzen.
Die großen Plattformen sehen schon jetzt in ihren
Geschäftsbedingungen ein Mindestalter von 13 Jahren vor. Die
Internetwächter in Brüssel kritisierten jedoch wiederholt, dass diese
Altersgrenze nicht richtig durchgesetzt werde.
Verbot in Deutschland ab 13 Jahren?
Nach der Vorstellung des Entwurfs müssen sich die EU-Staaten und
Europaabgeordneten auf eine gemeinsame Position einigen. Das könnte
in diesem Fall dauern. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU)
etwa hat sich für ein Verbot für Kinder unter 13 Jahren
ausgesprochen, Frankreich plant ein Social-Media-Verbot für alle
unter 15 Jahren.
Es wird erwartet, dass von der Leyen unter anderem auch über die
Themen Klima, Künstliche Intelligenz, Europas Wettbewerbsfähigkeit,
Migration und den Ukraine-Krieg sprechen wird. Die deutsche
Christdemokratin ist seit 2019 Präsidentin der Europäischen
Kommission. Die Europäische Kommission ist in der EU die einzige
Institution, die neue EU-Gesetze vorschlagen kann. Damit sie
verabschiedet werden, ist sie auf Mehrheiten in Europäischem
Parlament und unter den 27 Mitgliedstaaten angewiesen.
