Weniger Tempo bei KI: Von der Leyen stellt sich gegen Trump
16.09.2026 11:28
Die Warnungen von Techbossen über die Gefahren von Künstlicher
Intelligenz fanden bei US-Präsident Trump wenig Anklang.
EU-Kommissionschefin von der Leyen sieht die Dinge anders.
Straßburg (dpa) - EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
stellt sich bei der Diskussion um die Entwicklung Künstlicher
Intelligenz gegen US-Präsident Donald Trump. In ihrer Rede zur Lage
der Union in Straßburg betonte die Politikerin die Risiken von
fortschrittlichen KI-Modellen und kündigte an, die wichtigsten Labore
zu einer Diskussion darüber einzuladen, wie Europa die Industrie
dabei unterstützen könne, bei der Entwicklung einen Gang
zurückzuschalten. Trump hatte die Gefahren zuvor heruntergespielt und
geschrieben, dass derzeit eine «kranke Verschwörung» gegen KI im
Gange sei.
Zuletzt hatten die führenden Köpfe der Branche vor der Technologie
gewarnt: Anthropic-Chef Dario Amodei forderte eine Verlangsamung des
Tempos der Entwicklungen. Er sei besorgt, dass ein KI-Schwarm in der
Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und potenziell
Hunderte Milliarden Dollar Schaden zu verursachen. Von der Leyen
sagte nun: «Wenn die Entwickler der Technologie sich so klar äußern,
dann sollten wir das auch.»
Zusammenarbeit mit anderen Ländern geplant
Ohne sich mit den Risiken auseinanderzusetzen, werde man niemals in
der Lage sein, die Möglichkeiten der KI freizusetzen, betonte die
Kommissionschefin. Dabei geht es um die sogenannten Frontier-Modelle,
die sich an der «Grenze» des aktuell technisch Machbaren befinden.
Sie entwickeln sich nicht mehr allein durch Programmierung weiter,
sondern auch eigenständig durch Training. Die Kommissionschefin
kündigte an, mit gleichgesinnten Partnern wie Kanada und dem
Vereinigten Königreich in Bereichen wie Modellbewertung,
Verifizierung, Frühwarnung und KI-Sicherheit zusammenzuarbeiten.
Die EU-Kommission werde außerdem Ideen dafür vorlegen, wie die
europäische Rechenkapazität gesteigert werden könne. Es sollen neue
Wege entwickelt werden, um öffentliche und private Mittel in
vielversprechende Unternehmen zu investieren, so von der Leyen.
EU-Kommission plant große KI-Initiativen für Industrie
Im November will die Präsidentin darüber hinaus bedeutende
Initiativen für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in
Schlüsselbranchen präsentieren. Das größte Potenzial habe
industrielle KI bei Gesundheit, Verkehr, Landwirtschaft und
Lebensmitteln, moderner Produktion sowie Verteidigung und Weltraum,
sagte von der Leyen.
«Wir wollen, dass die KI einen Mehrwert schafft», so die deutsche
Politikerin. Dies solle auf verantwortungsvolle Weise, zu niedrigeren
Kosten und mit geringerem Energieverbrauch geschehen. «Aber vor allem
wollen wir eine KI, bei der der Mensch das Heft in der Hand behält»,
sagte von der Leyen. KI solle unterstützen, nicht Menschen ersetzen.
