Von der Leyen will Kanada als assoziiertes Mitglied der EU
16.09.2026 18:22
Wie eng kann die Partnerschaft zwischen der EU und Kanada werden?
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen macht jetzt einen
Vorschlag, den es schon für die Ukraine gibt.
Straßburg (dpa) - Kanada soll nach dem Willen von
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das erste «assoziierte
Mitglied» der Europäischen Union werden. «Wir sehen die Welt mit den
gleichen Augen», sagte von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der
Europäischen Union. Europa und Kanada glaubten gemeinsam an die
Demokratie und nicht daran, dass die Macht den Stärksten, Reichsten
oder Lautesten gehöre.
Als konkrete Bereiche für eine mögliche engere Zusammenarbeit nannte
von der Leyen Technologiefragen, die Rüstungsgüterproduktion sowie
die Künstliche Intelligenz und die Arktispolitik. Wie die geplante
assoziierte EU-Mitgliedschaft konkret gestaltet werden soll, erklärte
sie allerdings zunächst nicht.
Kanadas Premierminister Mark Carney begrüße den «Vorschlag» zu eine
m
«weitaus stärkeren, ehrgeizigeren Bündnis in der Zukunft», hieß e
s in
einer Mitteilung seines Büros. Die assoziierte Mitgliedschaft wurde
darin nicht direkt erwähnt.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte einen ähnlichen Vorschlag zuletzt
bereits für die Ukraine gemacht. Nach den Vorstellungen von Merz
könnte eine assoziierte Mitgliedschaft die Teilnahme der Ukraine an
EU-Gipfeln und Ministerräten ermöglichen - allerdings ohne
Stimmrecht. Als denkbar für die Ukraine nannte er zudem eine Rolle
als assoziiertes Mitglied der EU-Kommission ohne Geschäftsbereich und
ohne Stimmrecht, assoziierte Abgeordnete im Europäischen Parlament
sowie einen assoziierten Richter am Europäischen Gerichtshof.
Eine reguläre EU-Mitgliedschaft Kanadas ist nach den geltenden
Verträgen nicht möglich. Nach Artikel 49 des EU-Vertrags können nur
europäische Staaten der Union beitreten.
Kanadas Premierminister ist Ehrengast
Carney war als Ehrengast bei der Rede von der Leyens im Europäischen
Parlament in Straßburg mit dabei. Er will dort an diesem Donnerstag
selbst eine Rede halten. Der liberale Politiker sagte zuletzt am
Sonntag, Kanada strebe nicht danach, Mitglied der Europäischen Union
zu werden. Ziel ist nach seinen Worten aber eine «einzigartige
Sicherheits- und Wirtschaftsallianz» mit der EU.
Hintergrund ist seine angestrebte wirtschaftspolitische
Neuausrichtung angesichts des immer weiter eskalierenden Streits mit
dem mächtigen Nachbarland USA. Die USA haben jüngst Zölle von bis zu
50 Prozent auf eine lange Liste kanadischer Produkte verhängt. Kanada
hat darauf mit Gegenzöllen reagiert. Carney selbst hat für seinen
Kurs gegenüber der Regierung von US-Präsident Donald Trump in Kanada
großen Rückhalt erhalten - auch wenn der Streit die Wirtschaft auf
die Probe stellt.
Die USA sind mit Abstand Kanadas wichtigster Handelspartner. Aus
dieser Abhängigkeit will sich Carney zumindest teilweise lösen und
die Handelsbeziehungen seines Landes breiter aufstellen. Erste
Verschiebungen sind bereits sichtbar: 2025 gingen Kanadas Exporte in
die USA um 3,7 Prozent zurück, während die Ausfuhren in andere Länder
um 11,1 Prozent zunahmen. Der Anteil der Nicht-US-Märkte an den
kanadischen Exporten stieg damit auf den höchsten Stand seit mehr als
vier Jahrzehnten, wie das kanadische Statistikamt mitteilte.
Handelsabkommen noch immer nicht endgültig in Kraft
Mit der EU ist Kanada derzeit vor allem über das Freihandelsabkommen
Ceta eng verbunden. Dieses wird seit 2017 vorläufig angewendet, ist
aber noch immer nicht endgültig in Kraft, weil zehn Mitgliedstaaten
wie Belgien, Frankreich und Irland es bis heute nicht ratifiziert
haben. Auch deswegen gilt es als äußerst ungewiss, ob die Idee für
eine assoziierte EU-Mitgliedschaft Kanadas umgesetzt werden kann.
