Von der Leyen plant Social-Media-Verbot für Kinder unter 13
16.09.2026 13:44
Die EU-Kommission will Kinder unter 13 Jahren künftig von sozialen
Netzwerken wie TikTok und Instagram fernhalten. Eigene Konten sollen
erst ab 15 Jahren erlaubt sein. Aus Deutschland kommt Zuspruch.
Straßburg (dpa) - Kinder und Jugendliche unter 13 Jahren sollen nach
dem Willen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen künftig
in der EU von sozialen Medien wie TikTok, Snapchat und Instagram
ausgeschlossen werden. Zudem kündigte sie im Europaparlament in
Straßburg an, dass Jugendliche ab 13 Jahren zunächst nur auf eine
Stunde am Tag begrenzte sowie von Eltern eingerichtete und
beaufsichtigte «Mini-Konten» nutzen sollen. Eigene Nutzerkonten
sollten grundsätzlich erst ab 15 Jahren möglich sein.
Ein verbindliches EU-weites Social-Media-Verbot ist damit noch nicht
beschlossen, aber auf den Weg gebracht. Von der Leyens Behörde ist
die einzige Institution, die EU-Richtlinien und -Verordnungen in den
Gesetzgebungsprozess einbringen kann. Noch diesen Donnerstag soll ein
Gesetzesvorschlag mit den Einzelheiten vorlegt werden. Anschließend
müssen das Europaparlament und die EU-Mitgliedstaaten darüber
beraten. Bis zu einer Einigung könnten Monate oder Jahre vergehen.
Die EU-Kommission begründet ihre Pläne mit möglichen Folgen
intensiver Smartphone- und Social-Media-Nutzung für Kinder. Von der
Leyen warnte vor Schlafmangel, Ängsten und einer nachlassenden
Konzentrationsfähigkeit.
Mindestalter bereits Teil von Geschäftsbedingungen
Die großen Plattformen legen in ihren Geschäftsbedingungen bereits
ein Mindestalter von 13 Jahren fest. Nach Einschätzung der EU wird
diese Vorgabe aber bislang nicht ausreichend kontrolliert.
Nutzungskonten ab 15 Jahren sollen künftig möglich sein, wenn die
Plattformen kind- und jugendgerecht sind.
Darunter versteht die EU-Kommission unter anderem den Verzicht auf
suchtgefährdende Algorithmen. Funktionen wie endloses Scrollen oder
automatisch startende Videos sollen deaktiviert sein. Auch technische
Möglichkeiten zur Begrenzung der Bildschirmzeit und weitere
Schutzvorkehrungen zählen für die Behörde zur Sicherheit von
Plattformen.
Auch für deutsche Nutzer entscheidend
Die Pläne sind auch für die deutsche Debatte über ein Mindestalter in
sozialen Netzwerken von großer Bedeutung. Deutschland kann zwar
grundsätzlich selbst Regeln für die Nutzung durch Kinder und
Jugendliche erlassen. Eine verpflichtende Alterskontrolle durch die
großen Plattformen kann jedoch nur die EU auf Grundlage ihrer
Digitalgesetze durchsetzen.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) unterstützt ein
Mindestalter von 13 Jahren für eigene Social-Media-Konten. Für
Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren sprach sie sich für abgestufte
Schutzkonzepte aus. Die Bundesregierung will im Oktober Eckpunkte für
deutsche Regelungen vorlegen und zugleich auf eine europäische Lösung
drängen. Prien sagte den Zeitungen der Mediengruppe Bayern, sie
befürworte ausdrücklich, dass die EU die Plattformen verpflichten
will, für sichere Voreinstellungen zu sorgen.
Auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) begrüßt das Vorhaben
der EU-Kommission. «Für jede Gaststätte und jedes Kino gelten strenge
Pflichten zum Jugendschutz, für Betreiber sozialer Medien bisher
nicht», sagte sie.
Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, sagte,
eine europaweite Regelung zum Schutz von jungen Menschen im digitalen
Raum sei wichtig. Sie forderte darüber hinaus «wirksame Standards»
für alle. Die negativen Folgen des Social-Media-Konsums beträfen
Nutzer jeden Alters. «Daher sollten faire Design-Vorgaben
standardmäßig für alle aktiviert sein und nur nach einem Nachweis der
Volljährigkeit verändert werden können. Alle Verbraucherinnen und
Verbraucher müssen vor manipulativen und süchtigmachenden Praktiken
geschützt werden.»
