Kleine Pakete von Online-Shops kosten bei Einfuhr bald extra
16.09.2026 15:01
Menschen in Europa bestellen massenweise Billigprodukte aus dem
Ausland. Der Zoll hat viel zu tun. Eine neue Gebühr soll helfen.
Straßburg (dpa) - Für Millionen Pakete mit billiger Online-Ware wird
ab November eine neue Bearbeitungsgebühr fällig. Dafür hat das
Europäische Parlament endgültig grünes Licht gegeben. Wie teuer es
wird, ist noch offen: Die EU-Kommission muss noch die Höhe der Gebühr
festlegen. Für die Zahlung sind nach Angaben der EU-Staaten die
Online-Handelsplattformen zuständig - also nicht etwa die
Endverbraucher in Europa.
Ab 1. November soll die neue Abgabe für im Internet bestellte und in
die EU eingeführte Produkte gelten und von den nationalen Behörden
erhoben werden. Ihre Höhe soll alle zwei Jahre aktualisiert werden.
Die EU-Staaten haben den neuen Regeln bereits zugestimmt, sodass sie
im Amtsblatt veröffentlicht werden können und später in Kraft
treten.
Viel Arbeit für den Zoll
Die neuen Regeln dürften etwa Online-Händler wie Shein, Temu,
AliExpress oder auch Amazon betreffen. Die Abgabe soll die steigenden
Kosten durch die wachsende Zahl kleiner Sendungen aus dem
Online-Handel decken, etwa die Sichtung und Kontrolle bei der
Einfuhr.
Im Jahr 2025 wickelten die europäischen Zollämter nach Angaben der
EU-Staaten rund sechs Milliarden Pakete von Onlinehändlern ab. 90
Prozent davon seien aus China in die EU gelangt.
Die neue Bearbeitungsgebühr ist Teil einer größeren Zollreform.
Weitere Maßnahmen sollen dafür sorgen, den globalen Handel zu
erleichtern, Zölle effizienter zu erheben und die Kontrollen von
nicht konformen, gefährlichen oder unsicheren Waren zu verschärfen.
Unter anderem entsteht eine neue EU-Zollbehörde, die im kommenden
Jahr in Lille ihre Arbeit aufnehmen soll.
Billigimporte seit Juli auch verzollt
Seit Juli wird unabhängig davon auch auf günstige Waren aus dem
Ausland Zoll fällig. Pro Warengruppe in der Sendung werden pauschal
drei Euro berechnet. Dafür sind eigentlich die Verkäufer oder
Importeure verantwortlich. Manche Händler reichen die Zollpauschale
aber an Verbraucher weiter, die nun mehr zahlen müssen.
Europaweite Daten, wie sich die Paketzahlen seitdem verändert haben,
sind noch nicht bekannt. Nach Frankreich wurden nach Angaben des
dortigen Wirtschaftsministeriums in den ersten Wochen bis zu 40
Prozent weniger kleine Pakete eingeführt.
Die Zollpauschale ist als Übergangslösung gedacht, bis 2028 eine neue
digitale Plattform zur Abwicklung und Kontrolle an den Start geht und
dann alle in die EU importierten Waren ab dem ersten Euro
zollpflichtig sind. Die Nutzung der Plattform soll ab Juli 2028 für
Online-Händler verpflichtend sein, für alle anderen Händler ab März
2034.
