«Washington Post»: Kanada macht einen Fehltritt Richtung Europa
17.09.2026 06:53
Washington (dpa) - Angesichts des Handelsstreits mit den USA lotet
Kanadas Premierminister Mark Carney die Optionen einer engen
Partnerschaft mit der Europäischen Union aus. Dazu schreibt die
«Washington Post»:
«Die EU inszeniert sich als die freundlichere Alternative zu den
unberechenbaren und protektionistischen USA. Doch die EU hat selbst
ein kompliziertes Verhältnis zum Freihandel. (...) Sie errichtet
Handelsbarrieren und schreibt allen Mitgliedsstaaten vor, ihre
Abkommen via Brüssel auszuhandeln (...) Es gibt praktisch keinen
Bereich der öffentlichen Politik, den der Block nicht versucht, durch
erdrückende Vorschriften zu beeinflussen - fast immer zulasten
nationaler Souveränität. Dies hat zu politischer Gegenwehr geführt,
darunter dem Brexit-Referendum von 2016.
Carneys Bereitschaft, sich mit (EU-Kommissionspräsidentin Ursula) von
der Leyen zu arrangieren, verdeutlicht, wie sehr (US-Präsident
Donald) Trump traditionelle Verbündete vor den Kopf gestoßen hat.
Doch die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden. In diesem Fall steht
Kanada und den USA in etwas mehr als zwei Jahren ein Neuanfang bevor.
Im Januar 2029 wird ein neuer (US-)Präsident sein Amt antreten, und
die verheerenden Folgen der Vergeltungszölle - sollten diese
fortbestehen - werden auf beiden Seiten der Grenze bis dahin noch
deutlicher zu spüren sein. Bis dahin könnten die Kanadier jedoch
bereits fest im Griff der Brüsseler Bürokraten stecken.»
