Ist der Grönland-Konflikt jetzt beigelegt? Von Julia Wäschenbach, Anna Ringle und Jan Christoph Freybott, dpa

19.09.2026 02:59

Trump brach mit den Europäern einen Streit vom Zaun, indem er vollen
Zugriff auf die Arktisinsel Grönland forderte. Jetzt deutet sich ein
Ende des Streits an. Was wird dem US-Präsidenten zugestanden?

Washington/Kopenhagen/Nuuk (dpa) - US-Präsident Donald Trump löste
mit seinen Ansprüchen auf die Arktisinsel Grönland einen Aufschrei in
Europa und Empörung unter Verbündeten aus. Doch jetzt scheint sich
ein Knoten im Konflikt zu lösen: Die USA, Dänemark und Grönland gaben

einen Durchbruch bekannt.

Warum gibt es überhaupt Streit um Grönland?

Schon während seiner ersten Amtszeit hatte Trump die Idee, das zum
dänischen Hoheitsgebiet gehörende Territorium zu kaufen. Damals wurde
das auf Grönland und in Dänemark zunächst für einen Scherz gehalten
.
Doch spätestens im Januar dieses Jahres wurde klar, dass Trump
ernsthaft Ansprüche auf die Kontrolle der Insel erhebt, die zu vier
Fünfteln mit Eis bedeckt ist und knapp 60.000 Einwohner hat.

Die offizielle Begründung des US-Präsidenten: Angesichts einer immer
stärkeren Präsenz mächtiger Staaten wie China und Russland in der
Arktis könne Dänemark nicht ausreichend für die Sicherheit und
Verteidigung der auch für die USA strategisch bedeutsamen Insel
sorgen. Die Vereinigten Staaten müssten deshalb für militärische
Sicherheit in der Region sorgen, um nicht selbst in Gefahr zu
geraten. Jüngst provozierte Trump noch einmal, indem er auf der
Plattform Truth Social eine Landkarte postete, die Grönland in den
Farben der US-Flagge zeigt. 

Nicht nur auf der Insel wird vermutet, dass es Trump neben einer
militärischen Kontrolle der Arktis auch um wertvolle Rohstoffe wie
seltene Erden gehen könnte, die in Grönland unter dem Eis schlummern.

Wie reagierten die Bewohner?

Auf der Insel lösten die wiederholten Drohungen Trumps einen Sturm
der Entrüstung aus. Immer wieder stellten Grönland und auch Dänemark

klar: Das Territorium steht nicht zum Verkauf. Darüber, was mit der
Insel passiert, sollten die Grönländer selbst bestimmen. Die frühere

dänische Kolonie ist inzwischen weitgehend autonom, gehört aber
weiterhin zum Königreich Dänemark. Schließlich gründete sich eine
Arbeitsgruppe mit Vertretern aus allen drei Ländern, die sich zu
Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit traf.

Was ist bislang über das angestrebte Abkommen bekannt?

Wenig. Während es vonseiten des US-Präsidenten so klingt, als sei der
Deal schon in trockenen Tüchern, ließen die Dänen und Grönländer
in
einer gemeinsamen Mitteilung wissen, das Abkommen sei noch gar nicht
unterzeichnet: Erst in der kommenden Woche solle die Vereinbarung im
Rahmen der UN-Generalversammlung in New York besiegelt werden. Danach
müsse sie dann noch durchs Parlament, um in Kraft treten zu können.

Was sagt Trump zum Deal?

Nach seinen Worten bekommen die USA dauerhafte Kontrolle über alle
Fragen, die die Verteidigung der Insel und sonstige
Sicherheitsbelange betreffen. Gegner der USA dürften keine Basis in
Grönland errichten, keine militärische Präsenz dort haben und keine
«sensiblen Investitionen» tätigen - es sei denn, die USA genehmigen
es. Außerdem würden sofort Vorbereitungen für den Aufbau einer groß
en
Militärpräsenz auf der Insel aufgenommen. Ob diese ausschließlich von

den USA gestellt wird, ging aus seinem Post nicht eindeutig hervor.

Den Vereinigten Staaten entstünden durch die Vereinbarung keine
Kosten, betonte Trump. Was genau das heißt - also welche Kosten mit
den Abmachungen verbunden sind und wer dafür aufkommt - blieb unklar.
Die Vereinbarung gelte für «immer», schrieb Trump.

Und die andere Seite?

Von dort gibt es noch keine konkreten Details zum Inhalt. In der
gemeinsamen Mitteilung der dänischen und grönländischen Regierung
hieß es bloß, der Deal erkenne die Souveränität und territoriale
Integrität des dänischen Königreichs und das Recht des grönländis
chen
Volks auf Selbstbestimmung an.

Es handle sich um «ein Abkommen, das unsere gemeinsame Sicherheit in
der Arktis und im nordatlantischen Raum stärkt und damit auch gut für
die Nato und Europa ist», erklärte die dänische Ministerpräsidentin

Mette Frederiksen. Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik
Nielsen erklärte, der bevorstehende Deal wahre die Interessen
Grönlands. 

Was würde ein Abkommen für Deutschland bedeuten?

Das ist unklar. Auch weil zunächst offen blieb, inwieweit andere
Nato-Länder und die EU in den Deal eingebunden sein könnten. Als
Reaktion auf Trumps polternden Alleingang vor einigen Monaten hatten
sich europäische Nato-Länder entschlossen gezeigt, Grönlands
Souveränität zu unterstützen. Danach gab es wieder diplomatische
Annäherungsversuche.

Auch die Europäische Union zeigte demonstrativ Stärke. So besuchte
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Arktisinsel und
gab einen Ausbau der Zusammenarbeit bekannt. Dabei geht es um die
Vertiefung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen
der EU und Grönland. Hinzu kam ein millionenschweres
Investitionspaket. Als wirtschaftsstärkste Volkswirtschaft der EU und
wichtiger Nato-Staat ist Deutschland unmittelbar von den Abmachungen
beider Bündnisse mit den USA betroffen.