EU-Handelskammer sieht Umdenken im Handel mit China erreicht
22.09.2026 02:30
China sprach im Handel mit anderen Ländern lange von «Win-Win». Doch
die EU-Handelskammer in Peking sieht die Vorteile nur noch auf einer
Seite - und äußert Sorgen vor der weiteren Entwicklung.
Peking (dpa) - Angesichts eines wachsenden Ungleichgewichts im Handel
mit China sieht die europäische Handelskammer für Europa einen Punkt
zum Umdenken erreicht. «Was uns Sorgen bereitet, ist, dass die
Entwicklungen hier einige grundlegende Fragen zum Handel aufwerfen»,
sagte Kammerpräsident Jens Eskelund in Peking. Richtig betrieben
schaffe Handel Wert und Effizienz für beide Seiten, aber wenn dies
nur noch für eine Seite gelte, stelle sich die Frage: warum überhaupt
Handel treiben, so Eskelund. Der Däne verwies auf Chinas Überschuss
im Handel mit Europa von geschätzt einer Milliarde Euro pro Tag.
Zudem bemängelt die Kammer schon länger die Wettbewerbsbedingungen in
der Volksrepublik.
Laut Eskelund darf es nicht nur um den Erfolg europäischer
Unternehmen in China gehen, sondern auch darum, dass die
Handelsbeziehungen stabil seien. «Auch für Europa muss ein Gewinn
dabei herauskommen», forderte er. In Europa herrsche mehr
Übereinstimmung darüber, welche Herausforderung China für die
europäische Industrie darstelle.
Parallel warnte er: «Ich bin ein wenig besorgt, dass China vielleicht
noch nicht vollständig verstanden hat, dass sich in Europa etwas
verändert, das es Europa letztendlich ermöglichen wird, Maßnahmen zu
ergreifen», sagte er. Brüssel und Peking verhandeln derzeit im
Handelsstreit. Im Oktober werden Lösungen erwartet. Auch neue
EU-Zölle standen schon zur Debatte.
China und EU teilen Bedenken
In einem neuen Positionspapier mit 1.096 Empfehlungen an die Politik
stellte die Interessenvertretung von mehr als 1.600 in China tätigen
Mitgliedsunternehmen aus der EU fest, dass sich Pekings und Brüssels
Sicherheitsbedenken teils ähneln. Denn auch die EU arbeite an einem
politischen Rahmen, um ihre Autonomie, industrielle
Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, heißt es
darin.
Eine «gesunde Balance» darüber, in welchen Bereichen es um
wirtschaftliche Sicherheit gehe und in welchen mehr Offenheit für
Unternehmen möglich sei, könnte die Entwicklung beider
Volkswirtschaften verbessern, heißt es weiter.
Problem der «Zombieunternehmen»
Ein altbekanntes aber besonders großes Problem für ausländische
Firmen ist der anhaltend ungesunde Preiswettbewerb in der
zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Für ausländische Unternehmen
wandelt sich China deshalb zunehmend vom Absatzmarkt zum
Exportstandort. Dabei nutzen die Firmen die starken Lieferketten in
der Volksrepublik und die Entwicklungsgeschwindigkeit.
Ein Problem bleibt die chinesische Konsumschwäche. Die Kammer hält
eine Stärkung der Nachfrage bei gleichzeitiger Anpassung an das
tatsächliche Angebot für hilfreich. In strategisch geförderten
Branchen wachsen demnach die Produktionskapazitäten schneller als die
Nachfrage. Zudem würden «Zombieunternehmen», die eigentlich nicht
mehr wirtschaftlich arbeiteten und umstrukturiert oder vom Markt
müssten, von Lokalregierungen am Leben gehalten. Hintergrund sind die
Sicherung von Arbeitsplätzen und die Hoffnung, dass diese Unternehmen
als Branchenführer aus dem erbitterten Wettbewerb hervorgehen, wie es
in dem Bericht weiter heißt.
