Handel: Billiganbieter werden mit Zöllen nicht gestoppt

23.09.2026 05:00

Ab November kommt eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr auf günstige
Online-Bestellungen hinzu. Der deutsche Handelsverband ist damit
nicht zufrieden.

Berlin (dpa) - Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt auch nach
dem Wegfall der Zollfreigrenze vor einer andauernden Flut von
Billigpaketen aus Ländern außerhalb der EU. «Temu, Shein und wie sie

alle heißen werden sich anpassen, und sie werden weitermachen», sagte
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth dem Nachrichtenportal
«t-online».

Die Abschaffung der Zollfreigrenze von 150 Euro für Warensendungen
aus Nicht-EU-Staaten im vergangenen Juli zeige zwar Wirkung.
Frankreich melde bereits 30 bis 40 Prozent weniger Sendungen. «Aber
wir reden immer noch über Millionen und Abermillionen Pakete», sagte
Genth. Für Deutschland gebe es noch keine Zahlen.

Genth sieht keinen Grund, warum die Entwicklung hierzulande anders
verlaufen sollte. Doch selbst bei einem Rückgang um ein Drittel gehe
es weiterhin um Hunderttausende Pakete täglich. «Wir treffen das
Geschäftsmodell etwas, doch Shein und Temu stoppen wir so leider
nicht.»

Bald auch Gebühr für EU-Importe per Paket

Seit Juli wird auch auf günstige Waren aus dem Ausland Zoll fällig.
Pro Warengruppe in der Sendung werden pauschal drei Euro berechnet.
Dafür sind eigentlich die Verkäufer oder Importeure verantwortlich.
Manche Händler reichen die Zollpauschale aber an Verbraucher weiter,
die nun mehr zahlen müssen. Von November an wird zudem für Pakete mit
billiger Online-Ware in der EU eine Bearbeitungsgebühr fällig, deren
Höhe die EU-Kommission noch festlegen muss.

Genth rechnet mit zwei Euro Gebühr pro Paket. «Fünf Euro, mein Gott -

da hätten wir uns deutlich mehr vorgestellt», sagte er dazu. Weitere
Maßnahmen seien notwendig, um die von ihm kritisierten
Wettbewerbsverzerrungen zu beenden. Der Verbandsmanager fordert unter
anderem eine zentrale Marktaufsicht für Anbieter aus Drittstaaten.