EZB-Direktorin Isabel Schnabel wechselt zum IWF
24.09.2026 17:24
Von der Europäischen Zentralbank zum Internationalen Währungsfonds:
Die deutsche Top-Ökonomin zieht es für eine neue Rolle nach
Washington. Das dürfte Folgen für die Neubesetzung der EZB-Spitze
haben.
Frankfurt/Main (dpa) - EZB-Direktorin Isabel Schnabel tritt zu
Jahresbeginn 2027 vorzeitig von ihrem Posten zurück und wechselt zum
Internationalen Währungsfonds. Die deutsche Top-Ökonomin werde zum 4.
Januar Direktorin der Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte und
Finanzberaterin des IWF, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) in
Frankfurt mit. Bis dahin werde Schnabel ihre derzeitige Position
behalten und ihre Aufgaben weiter wahrnehmen.
«Frau Schnabel wird für die verbleibende Dauer ihrer Amtszeit bei der
EZB nicht an Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem IWF beteiligt
sein», betonte die Notenbank. Ein Nachfolger werde vom Europäischen
Rat ernannt, dem Gremium der EU-Staats- und Regierungschefs.
Die Amtszeit von Schnabel, die derzeit ranghöchste Deutsche bei der
EZB, wäre regulär noch bis Ende 2027 gelaufen. Sie genießt als
Ökonomin hohe Anerkennung.
Schnabel hatte sich vor einigen Monaten selbst als Nachfolgerin von
EZB-Präsidentin Christine Lagarde ins Spiel gebracht. Mit ihrem
Wechsel nach Washington ist diese Option nun vom Tisch. Über ihre
bevorstehende Berufung zum IWF hatte es bereits Medienberichte
gegeben. Das EZB-Direktorium besteht aus Lagarde, EZB-Vize Boris
Vuj?i? und vier weiteren Mitgliedern.
Folgen für Besetzung der EZB-Spitze
Seit Monaten halten sich zudem Spekulationen, dass Lagarde die
Notenbank vor Ablauf ihrer Amtszeit im Oktober 2027 verlassen könnte.
Sie wurde mit dem Weltwirtschaftsforum nach Davos in Verbindung
gebracht. So gab es Berichte, Lagarde wolle vor der
Präsidentschaftswahl in Frankreich im April 2027 abtreten.
Hintergrund sind Sorgen, dass Rechtspopulisten die Wahlen gewinnen
könnten, was die Neubesetzung der EZB-Spitze erschweren könnte.
Ab Juni 2027 braucht die Notenbank zudem einen neuen Chefökonomen,
weil dann die Amtszeit von Inhaber Philip Lane endet. Daher gilt es
als wahrscheinlich, dass auf europäischer Ebene ein ganzes
Personalpaket für die EZB-Spitzenposten gefunden werden muss.
Ambitionen für die EZB-Präsidentschaft hat auch Bundesbank-Präsident
Joachim Nagel angemeldet.
Lagarde dankte Schnabel für ihre Arbeit in den vergangenen sieben
Jahren. Sie habe eine Schlüsselrolle bei der EZB gespielt, die
Inflation auf dem mittelfristigen Ziel von 2 Prozent zu stabilisieren
und habe enorm zur Modernisierung der Geschäftstätigkeit der
Notenbank beigetragen. Ihr Engagement für die Notenbank sei «von
unschätzbarem Wert» gewesen.
