Iranische Anwältin Sotudeh gewinnt Vaclav-Havel-Preis
28.09.2026 13:56
Trotz andauernder Sicherheitsbedenken steht die
Menschenrechtsanwältin Sotudeh für Aktivisten, Journalisten und
Kinder im Iran ein. Nun wurde sie vom Europarat für ihren Einsatz
geehrt.
Straßburg (dpa) - Der renommierte Vaclav-Havel-Preis des Europarats
geht in diesem Jahr an die bekannte iranische Menschenrechtsanwältin
Nasrin Sotudeh. «Eines Tages wird die Sonne der Freiheit auch über
unserem Land scheinen», sagte Sotudeh, die nicht bei der Verleihung
in Straßburg vor Ort sein konnte, in einer Videoansprache. Den Preis
nahm ihre Tochter für sie entgegen.
Die 63 Jahre alte Sotudeh gilt als eine der einflussreichsten
Anwältinnen im Iran. Sie vertrat laut Mitteilung des Europarats
Aktivistinnen und Aktivisten, Medienschaffende, Minderheiten sowie
von der Hinrichtung bedrohte Kinder und setzt sich gegen Gesetze zur
Kopftuch-Pflicht sowie die Todesstrafe ein. Die Anwältin wurde in den
vergangenen Jahren mehrfach inhaftiert und verbrachte lange Jahre
hinter Gittern. Im Jahr 2020 erhielt sie auch den Alternativen
Nobelpreis.
Drei Frauen nominiert
Neben Sotudeh waren in diesem Jahr die iranisch-amerikanische
Journalistin und Frauenrechtsaktivistin Masih Alinejad und die
ungarische Menschenrechtsanwältin Marta Pardavi für den Preis
nominiert. Jede von ihnen stehe für prinzipientreuen Mut, moralische
Integrität und ein außergewöhnliches Engagement für die
Menschenrechte, sagte die Präsidentin der Parlamentarischen
Versammlung, Petra Bayr.
Vor der Verleihung hielt zudem die belarussische Oppositionelle Maria
Kolesnikowa eine Ansprache, die selbst 2021 ausgezeichnet worden war.
Sie rief dazu auf, zu helfen, die Unabhängigkeit von Belarus gegen
russische Dominanz zu verteidigen.
Preis wird seit 2013 verliehen
Mit dem Vaclav-Havel-Preis zeichnet die Parlamentarische Versammlung
des Europarats seit 2013 Engagement für die Menschenrechte aus. Der
Preis ist mit 60.000 Euro dotiert und nach dem verstorbenen
Bürgerrechtler und früheren Präsidenten der Tschechischen Republik
benannt.
Die Verleihung findet für gewöhnlich im Rahmen der Herbsttagung der
Parlamentarischen Versammlung statt. Zu der Versammlung kommen
viermal im Jahr Abgeordnete der 46 Staaten des Europarats zusammen.
Der Europarat mit Sitz in Straßburg wacht über die Menschenrechte in
seinen Mitgliedsländern und ist kein Organ der Europäischen Union.
