Brüssel will Polizei und Feuerwehr EU-weit neu vernetzen
30.09.2026 12:03
Ob Terror, Waldbrand oder Überschwemmung: Einsatzkräfte in der EU
sollten sich nach Ansicht der Europäischen Kommission besonders in
Krisen grenzübergreifend unterstützen. Wie soll das klappen?
Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission will die Funkgeräte von
Polizisten, Feuerwehrleuten und anderen Einsatzkräften in Deutschland
sowie den anderen EU-Ländern durch ein moderneres System ersetzen.
Dafür schlägt die Brüsseler Behörde ein neues Kommunikationssystem
vor, das von allen Mitgliedstaaten und Behörden gleichermaßen genutzt
werden soll, wie aus einer Mitteilung hervorgeht.
Die nationalen Systeme seien bislang oft nicht miteinander verbunden
und funktionierten beim Grenzübertritt nicht nahtlos, erklärten
Beamte der EU-Kommission. Das erschwere die Zusammenarbeit etwa bei
Waldbränden, Überschwemmungen, Terroranschlägen oder
Drohnenvorfällen.
Rettungskräfte verlieren bei Vermisstensuche an der Grenze Signal
Als konkretes Problembeispiel des bisherigen Systems nannten die
Experten der Kommission die Suche nach einem vermissten Kind an der
belgisch-niederländischen Grenze. Dabei hätten die Einsatzkräfte
wegen des verwinkelten Grenzverlaufs mehrfach die Grenze überquert
und dabei jedes Mal wieder das Signal verloren.
Technisch soll von der geringen Bandbreite des bisherigen Funksystems
auf das moderne Breitbandsystem gewechselt werden. Die alten
Funkgeräte würden durch modernere Geräte ersetzt werden. Anders als
bisher sollen Rettungskräfte damit auch Bilder, Videos,
Audioaufnahmen oder Standorte miteinander teilen können.
Der Vorschlag der EU-Kommission setzt auf die Nutzung kommerzieller
Netze, also etwa das der Telekom. Das neue System soll Kommunikation
aber auch bei überlasteten oder ausgefallenen Mobilfunknetzen
ermöglichen. Dafür sind etwa Vorrang im Mobilfunk und Satelliten als
Rückfalloption vorgesehen. Auch mobile Einheiten, die vor Ort ein
Netz wiederherstellen können sollen, sieht der Vorschlag vor.
Erste EU-Länder sollen schon 2030 neues System nutzen
Das System sollte nach Ansicht der EU-Kommission zudem möglichst
unabhängig von Drittstaaten sein. Die kritischen Schlüsselkomponenten
des Systems - dazu zählen die Satelliten, das mobile Kernnetz sowie
die verwendete Breitbandtechnologie - sollen demnach von europäischen
Unternehmen entwickelt werden.
Ab 2030 sollen nach dem Willen der Kommission die ersten
Mitgliedsländer das neue Kommunikationssystem in Betrieb nehmen. Bis
2036 soll es in der ganzen EU funktionsfähig sein. Bevor die
Umsetzung des Plans beginnen kann, müssen sich die EU-Staaten und das
Europaparlament noch mit den Vorschlägen befassen.
