Wadephul drückt bei Westbalkan-EU-Erweiterung aufs Tempo

30.09.2026 21:30

Europawoche: Nach Den Haag, Bratislava und Straßburg besucht der
deutsche Außenminister Podgorica und Rom. Bei der Reise geht es auch
um die Zukunft der Europäischen Union.

Berlin/Podgorica (dpa) - Außenminister Johann Wadephul drückt bei der
geplanten EU-Erweiterung auf dem Westbalkan angesichts der
Herausforderungen durch Russland und China aufs Tempo. «Die
EU-Erweiterung auf dem Westlichen Balkan ist eine Nagelprobe für
Europa. Sie entscheidet, welchen Einfluss die EU in den nächsten
Jahrzehnten haben wird», sagte der CDU-Politiker vor der Abreise zu
einer Westbalkan-Konferenz in der montenegrinischen Hauptstadt
Podgorica. 

Die EU-Erweiterung sei für Europas Sicherheit und Zukunft
entscheidend, sagte Wadephul. Nur wenn die EU den Westbalkanstaaten
eine glaubwürdige EU-Perspektive biete und sie enger an sich binde,
sichere man sich dauerhaft geopolitischen Spielraum. Gegenüber
geopolitischen Rivalen gehe es um die Kerninteressen Europas:
Sicherheit, Einfluss und Handlungsfähigkeit. Russland und China
versuchen seit langem, ihren Einfluss in der Region auszubauen.

Moskau und Peking wollen Einfluss in Westbalkanregion ausbauen

«Beim EU-Beitrittsprozess müssen wir deshalb jetzt Tempo machen»,
forderte Wadephul. Die EU-Mitgliedstaaten müssten ihre Versprechen
gegenüber den Beitrittskandidaten einlösen. Wer bei Reformen
vorankomme, müsse auch beim Beitrittsprozess vorankommen. Zugleich
müssten die Westbalkanländer Reformen beherzt vorantreiben. Dazu
gehörten Rechtsstaatlichkeit, die Bekämpfung von organisierter
Kriminalität und Korruption sowie die Annäherung untereinander. 

In der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica trifft sich Wadephul
mit seinen Kollegen im seit 2014 laufenden «Berlin Prozess». Zu den
EU-Kandidatenländern auf dem Westbalkan zählen Montenegro, Albanien,
Serbien, Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien. Das Kosovo ist
potenzieller Beitrittskandidat. Alle sechs Länder streben den
Beitritt zur EU an, befinden sich dabei aber in unterschiedlichen
Phasen. 

Am weitesten im EU-Aufnahmeprozess ist nach der jüngsten Analyse der
EU-Kommission Montenegro. Dem Land mit nur rund 620.000 Einwohnern
wurde zuletzt bescheinigt, die Beitrittsverhandlungen bis Ende 2026
abschließen zu können, wenn es das Reformtempo beibehält.

Weiterreise nach Rom 

Am späten Nachmittag will sich Wadephul in Rom mit seinem Kollegen
Antonio Tajani treffen. Beide Minister wollen aus Anlass des
75-jährigen Bestehens der deutsch-italienischen diplomatischen
Beziehungen einen Baum pflanzen. Anschließend ist geplant, dass
Wadephul und Tajani in der italienischen Hauptstadt an den Feiern zum
Tag der Deutschen Einheit teilnehmen.