Frontex-Chef zieht Lehren aus Migrationskrise in Ceuta
01.10.2026 05:00
Wie kann die EU eine Migrationskrise wie in Ceuta künftig verhindern?
Der Chef der Grenzschutzbehörde fordert mehr Vernetzung - sieht in
der Krise aber weniger einen Grenzvorfall.
Brüssel (dpa) - Nach der Migrationskrise in der spanischen Exklave
Ceuta muss die Europäische Union nach Ansicht des Chefs der
EU-Grenzschutzagentur Frontex ein besseres Bewusstsein für die Lage
an den Außengrenzen entwickeln. Es gehe darum, Entwicklungen früh zu
erkennen - etwa mit Hilfe von Satelliten, Flugzeugen, Beobachtern vor
Ort und Informationen aus sozialen Medien, sagte Direktor Hans
Leijtens der Deutschen Presse-Agentur und anderen Mitgliedern des
Nachrichtenagentur-Netzwerks European Newsroom (enr) in Brüssel. Er
betonte, vieles sei bereits vorhanden, müsse aber besser verknüpft
werden.
Leijtens: Ceuta eher Problem der öffentlichen Ordnung
Gleichzeitig sagte der Niederländer, dass es sich in Ceuta nicht um
einen klassischen Grenzvorfall gehandelt habe. Die Ereignisse an der
nordafrikanischen Küste seien aus seiner Sicht eher ein «Problem der
öffentlichen Ordnung» gewesen. Viele derer die über die Grenze
gekommen seien, hätten nicht mit einer Flucht bis nach Europa geplant
und seien eher opportunistisch gewesen. Leijtens fügte hinzu: «Die
Tatsache, dass so viele Menschen ihr Leben verloren haben, ist
absolut erschreckend und etwas, das wir verhindern sollten.»
Absage an Forderung nach Kommandogewalt für Frontex
Zudem erteilte der Direktor der EU-Grenzschutzagentur einer anderen
politischen Forderung eine Absage: Eine Übernahme der Einsatzleitung
durch Frontex in einer Lage wie der Krise in Ceuta hält Leijtens
nicht für sinnvoll. Für den Schutz der Außengrenzen seien weiter die
Mitgliedstaaten zuständig. Frontex könne sie unterstützen, aber nicht
ihre Verantwortung übernehmen. Er gehe davon aus, dass sich daran
auch mit dem erwarteten Vorschlag der EU-Kommission für ein neues
Frontex-Mandat nichts ändere.
Ende Juli waren rund 72.000 Migranten nach Ceuta gekommen und hatten
eine diplomatische Krise mit Schuldzuweisungen zwischen den
EU-Staaten ausgelöst. Danach hatte etwa der Chef der Europäischen
Volkspartei (EVP), Manfred Weber, gefordert, Frontex müsse in solchen
Fällen die Kommandogewalt bekommen.
