Wadephul optimistisch zu rascher EU-Perspektive Montenegros

01.10.2026 11:23

Im Küstenstädtchen Budva treffen sich die Westbalkan-Außenminister
mit EU-Kollegen. Der deutsche Ressortchef drückt bei der
EU-Erweiterung in der Region aufs Tempo. Auch wegen Russland und
China.

Budva (dpa) - Außenminister Johann Wadephul hat sich grundsätzlich
optimistisch zu einem baldigen Abschluss des EU-Beitrittsverfahrens
von Montenegro geäußert. 20 Jahre nach seiner Unabhängigkeit klopfe
das Land an die Tür der Europäischen Union, sagte der CDU-Politiker
bei Beratungen mit Kolleginnen und Kollegen im sogenannten «Berlin
Prozess» im Zusammenhang mit der geplanten EU-Erweiterung auf dem
westlichen Balkan. Er fügte hinzu: «Glauben Sie mir: Dieses Klopfen
ist in Brüssel und in allen europäischen Hauptstädten zu hören.»


«Wer bereit und in der Lage ist, der Europäischen Union beizutreten
und die Kriterien zu erfüllen, kann in den kommenden Jahren Erfolg
haben», sagte Wadephul bei dem Treffen in der montenegrinischen
Küstenstadt Budva. Bereits beim Abflug zu der Konferenz hatte er mehr
Tempo beim Beitrittsprozess verlangt. Die EU-Erweiterung in der
Region sei für Europas Sicherheit und Zukunft entscheidend. Nur wenn
man den Westbalkanstaaten eine glaubwürdige EU-Perspektive biete und
sie enger an sich binde, sichere man sich dauerhaft geopolitischen
Spielraum. Russland und China versuchen seit langem, ihren Einfluss
in der Westbalkanregion auszubauen.

EU-Erweiterungskommissarin: Montenegro auf der Zielgeraden

EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte, Montenegro befinde sich
eindeutig auf der Zielgeraden zum Abschluss der
Beitrittsverhandlungen. Die Entwicklung in dem Land habe eine neue
Dynamik für die Erweiterung im gesamten Westbalkanraum ausgelöst.
Auch Albanien sei Teil dieser neuen Dynamik, das Land komme auf dem
Reformweg sehr gut voran.

Der montenegrinische Außenminister Ervin Ibrahimovic hob hervor, der
Westbalkan leiste durch die Ausrichtung an der Außen- und
Sicherheitspolitik der EU und durch die Beteiligung an europäischen
und euroatlantischen Strukturen bereits einen Beitrag zur
europäischen Sicherheit. 

Zu den EU-Kandidatenländern auf dem Westbalkan zählen Montenegro,
Albanien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien. Das Kosovo
ist potenzieller Beitrittskandidat. Alle sechs Länder streben den
EU-Beitritt an, befinden sich dabei aber in unterschiedlichen
Phasen. 

Am weitesten im EU-Aufnahmeprozess ist nach der jüngsten Analyse der
EU-Kommission Montenegro. Dem Land mit nur rund 620.000 Einwohnern
wurde zuletzt bescheinigt, die Beitrittsverhandlungen bis Ende 2026
abschließen zu können, wenn es das Reformtempo beibehält.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte Anfang Juni
gesagt, es sei in Reichweite, dass Montenegro bis 2028 der 28.
EU-Mitgliedstaat werde.