Wadephul: Chance für EU-Beitritt Montenegros nie größer
01.10.2026 15:01
Die Westbalkan-Außenminister treffen sich im Küstenstädtchen Budva
mit EU-Kollegen. Der deutsche Ressortchef drückt bei der
EU-Erweiterung in der Region aufs Tempo. Auch wegen Russland und
China.
Budva (dpa) - Außenminister Johann Wadephul hat sich grundsätzlich
optimistisch zu einem baldigen Abschluss des EU-Beitrittsverfahrens
von Montenegro geäußert. 20 Jahre nach seiner Unabhängigkeit klopfe
das Land an die Tür der Europäischen Union, sagte der CDU-Politiker
bei Beratungen mit Kolleginnen und Kollegen im sogenannten «Berlin
Prozess» im Zusammenhang mit der geplanten EU-Erweiterung auf dem
westlichen Balkan. «Glauben Sie mir: Dieses Klopfen ist in Brüssel
und in allen europäischen Hauptstädten zu hören.»
Die Länder der Region müssten Reformen umsetzen, doch auch die
EU-Mitgliedstaaten müssten sicherstellen, dass die EU-Perspektive
glaubwürdig bleibe, sagte der Minister nach der Konferenz in der
montenegrinischen Küstenstadt Budva. «Die Menschen hier könnten den
Glauben in den Erweiterungsprozess verlieren, wenn es jetzt kein
positives Ergebnis gibt», warnte er mit Blick auf Montenegro. «Die
Chance war nie größer als jetzt», ergänzte Wadephul zur
Beitrittsperspektive Montenegros.
Bereits beim Abflug zu der Konferenz hatte Wadephul mehr Tempo beim
Beitrittsprozess verlangt. Nur wenn man den Westbalkanstaaten eine
glaubwürdige EU-Perspektive biete und sie enger an sich binde,
sichere man sich dauerhaft geopolitischen Spielraum. Russland und
China versuchen seit langem, ihren Einfluss in der Westbalkanregion
auszubauen.
EU-Erweiterungskommissarin: Montenegro auf der Zielgeraden
EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte, Montenegro befinde sich
auf der Zielgeraden zum Abschluss der Beitrittsverhandlungen. Bis
Ende 2026 oder Anfang 2027 werde das kleine Balkanland die
Beitrittsverhandlungen mit der EU voraussichtlich abschließen. Die
EU-Kommission werde dann innerhalb von anderthalb Monaten alle
nötigen Dokumente an den Europäischen Rat weitergeben, das Gremium
der Staats- und Regierungschefs der EU. Stimmt dieser zu, kann der
Beitrittsvertrag mit Montenegro unterschrieben werden.
Der Vertrag müsste anschließend noch von allen EU-Ländern ratifiziert
werden, damit das Land Mitglied werden kann. «Auf der Grundlage der
Erfahrungen der Vergangenheit kann dies ein oder zwei Jahre dauern»,
sagte Kos.
Der montenegrinische Außenminister Ervin Ibrahimovic hob hervor, der
Westbalkan leiste durch die Ausrichtung an der Außen- und
Sicherheitspolitik der EU und durch die Beteiligung an europäischen
und euroatlantischen Strukturen bereits einen Beitrag zur
europäischen Sicherheit.
Zu den EU-Kandidatenländern auf dem Westbalkan zählen Montenegro,
Albanien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien. Das Kosovo
ist potenzieller Beitrittskandidat. Alle sechs Länder streben den
EU-Beitritt an, befinden sich dabei aber in unterschiedlichen Phasen.
Am weitesten im EU-Aufnahmeprozess ist nach einer Analyse der
EU-Kommission Montenegro. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der
Leyen hatte Anfang Juni gesagt, es sei in Reichweite, dass Montenegro
bis 2028 der 28. EU-Mitgliedstaat werde.
