Iran-Krieg treibt Inflation im Euroraum auf Drei-Jahres-Hoch
02.10.2026 11:49
Der Ölpreisschock wegen des Iran-Kriegs schlägt immer mehr auf die
Verbraucherpreise im Euroraum durch. Die Inflation steigt deutlich.
Ökonomen rechnen fest mit der nächsten Zinserhöhung der EZB.
Luxemburg (dpa) - Die Inflation in der Eurozone ist im September
wegen hoher Energiepreise deutlich auf den höchsten Stand seit drei
Jahren gestiegen. Die Verbraucherpreise legten im Jahresvergleich um
3,8 Prozent zu, wie das Statistikamt Eurostat in Luxemburg nach einer
ersten Schätzung mitteilte. Dies ist die höchste Inflationsrate seit
September 2023. Im August hatte sie noch bei 3,2 Prozent gelegen.
Damit liegt sie weit über dem Preisziel der Europäischen Zentralbank
(EZB), die mittelfristig eine Jahresinflation von zwei Prozent
anpeilt. Ökonomen erwarten daher, dass die EZB die Leitzinsen ein
drittes Mal in diesem Jahr erhöht. Der für Sparer und Banken wichtige
Einlagenzins würde damit auf 2,75 Prozent steigen.
«Es sind vor allem die massiven Preiserhöhungen bei Energie, die die
Inflation auf den höchsten Stand seit Herbst 2023 steigen ließen»,
sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Es mehrten sich die
Anzeichen, dass die Unternehmen die höheren Energiepreise an Kunden
weitergäben. «Dieses Verfestigen der Inflation wird der EZB nicht
gefallen. Sie wird ihre Leitzinsen weiter anheben müssen.»
Ähnlich äußerte sich Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. «Ein
e
Zinsanhebung der EZB im Dezember ist so gut wie in Stein gemeißelt.
Auf ihrer Oktober-Zinssitzung dürften die Währungshüter derweil ihre
Leitzinsen noch konstant halten.»
Teures Öl und hohe Spritpreise zentraler Treiber
Im September beschleunigte sich der Anstieg der Energiepreise erneut.
Hier meldet Eurostat ein Plus von 18,8 Prozent im Jahresvergleich -
nach 14,3 Prozent im August. Mit dem Iran-Krieg sind die Rohölpreise
an den Börsen kräftig gestiegen und damit die Spritpreise an den
Tankstellen. Zudem beschleunigte sich der Preisauftrieb bei
Dienstleistungen im Euroraum.
Auch die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für
Energie und Lebensmittel zu, wenngleich nur leicht auf 2,5 Prozent.
Sie steht besonders im Fokus der EZB. Diese will vermeiden, dass die
gestiegenen Energiepreise auf andere Lebensbereiche überspringen und
sich Preise und Löhne hochschaukeln.
Auch in Deutschland hat die Inflation angezogen. Im September trieben
steigende Preise für Heizen und Tanken die Inflationsrate auf 3,3
Prozent - der höchste Stand seit Ende 2023. Die Bundesregierung
entlastet Autofahrer erneut mit einem Tankrabatt, mit dem die Steuern
von Oktober bis Jahresende um rund 17 Cent je Liter Sprit sinken.
