Etwas mehr Asylanträge - Langfristiger Abwärtstrend bleibt

04.10.2026 14:32

Dobrindt sieht im Rückgang der Asylzahlen einen Erfolg nationaler und
europäischer Maßnahmen. Im September stellten 40 Prozent weniger
Menschen als im Vorjahresmonat erstmals einen Asylantrag.

Berlin (dpa) - In Deutschland haben im September mehr Menschen
erstmals einen Asylantrag gestellt als im Vormonat. Am langfristigen
Rückgang der Zahl der Asylsuchenden ändert das aber nichts. Wie eine
Sprecherin des Bundesinnenministeriums auf Anfrage mitteilte, nahm
das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im vergangenen
Monat 5.276 Asylerstanträge entgegen. Das sind 40 Prozent weniger als
im September vergangenen Jahres und 70 Prozent weniger als im
September 2024.

Dobrindt verweist auf deutsche und europäische Maßnahmen

«Der deutliche Rückgang der Asylzahlen zeigt: Unsere Maßnahmen auf
nationaler und europäischer Ebene wirken», sagte Bundesinnenminister
Alexander Dobrindt (CSU). Die Europäische Union setze den Kurs «zur
Wendung des Asylsystems» weiter fort. Dazu gehöre ein
Krisenreaktionsmechanismus, der die EU-Außengrenzen vor «gesteuerten
Massenanstürmen» schütze, mit einer «schnellen Eingreiftruppe» de
r
EU-Grenzschutzagentur Frontex und Schnellverfahren an den Grenzen. 

Nach rund 5.550 Asylerstanträgen im Mai war die Zahl der neuen
Asylanträge noch weiter gesunken, im Juli und August waren es jeweils
weniger als 4.000 Anträge. Dass in den vergangenen Monaten etliche
Menschen, die bereits länger in Deutschland leben, einen Folgeantrag
beim Bamf gestellt haben, hängt mit einem Urteil des Europäischen
Gerichtshofs vom Oktober 2024 zur Lage in Afghanistan zusammen. Darin
war festgestellt worden, dass Frauen aus dem seit 2021 wieder von den
islamistischen Taliban regierten Land grundsätzlich einen
Schutzanspruch haben.

Deutschland in Europa an dritter Stelle

Innerhalb Europas ist die Zahl der von der EU-Asylagentur erfassten
Anträge auf internationalen Schutz weiter rückläufig. In den 27
EU-Ländern sowie Norwegen und der Schweiz wurden innerhalb der ersten
neun Monate dieses Jahres vorläufigen Zahlen zufolge 452.969
Schutzanträge registriert, wie die «Welt am Sonntag» berichtet. Die
Zahlen können durch Nachmeldungen aus Mitgliedsländern noch leicht
abweichen. Offiziellen Angaben des EU-Statistikamtes Eurostat zufolge
wurden im gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr 598.575 Anträge
gestellt. Das ist ein Rückgang um fast 25 Prozent. Die «Welt am
Sonntag» beruft sich auf ein vertraulich gekennzeichnetes Dokument
der EU-Kommission. Demnach wurden in Frankreich (98.822 Asylanträge)
und Italien (78.496) die meisten Asylanträge gestellt, Deutschland
steht an dritter Stelle mit 70.257 Anträgen.