Schneider: Pharmafirmen sollen für Wasserreinigung zahlen

05.10.2026 10:54

Reste von Medikamenten und Kosmetika im Trinkwasser? Der
Bundesumweltminister will die Hersteller der Produkte dafür zur Kasse
bitten. Und zwar auch dann, wenn sich keine EU-Lösung findet.

Berlin (dpa) - Pharmafirmen sollen nach dem Willen von
Bundesumweltminister Carsten Schneider künftig für die Reinigung des
Wassers von Medikamentenrückständen zahlen. «Rückstände aus
Medikamenten oder Kosmetika lassen sich nur durch eine zusätzliche
vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen herausfiltern», sagte der
SPD-Politiker bei einer Wasser-Konferenz seines Ministeriums in
Berlin. 

Schneider will an Herstellerverantwortung festhalten

«Das muss fair finanziert sein, nicht von den Bürgerinnen und
Bürgern, sondern vom Verursacher», sagte Schneider. Es gebe dagegen
großen Lobbydruck, aber das Prinzip der Herstellerverantwortung sei
richtig und müsse bestehen bleiben. 

Die Ende 2024 verabschiedete EU-Kommunalabwasserrichtlinie ist seit
Anfang 2025 in Kraft und muss bis Ende Juli 2027 in deutsches Recht
umgesetzt werden. Sie sieht unter anderem eine zusätzliche, vierte
Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikroschadstoffen vor. Pharma- und
Kosmetikhersteller sollen über eine erweiterte
Herstellerverantwortung mindestens 80 Prozent der dafür anfallenden
Kosten tragen. 

Klage vor dem Europäischen Gerichtshof

Wie das in Deutschland konkret organisiert wird, ist nach Angaben
eines Sprechers des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) noch offen,
einen Gesetzentwurf gebe es bislang nicht. Vor dem Europäischen
Gerichtshof läuft zudem eine Klage Polens gegen die
Herstellerverantwortung. Sollte sie in der jetzigen Form für nichtig
erklärt werden, wäre nach Einschätzung des VKU offen, wie die vierte

Reinigungsstufe finanziert wird. Bliebe die Ausbaupflicht bestehen,
könnten die Kosten nach Einschätzung des VKU stärker bei Verbrauchern

und Unternehmen landen.

Schneider will hart bleiben. Er hoffe auf eine EU-Lösung zur
finanziellen Beteiligung der Hersteller. «Wenn es sein muss, kann ich
mir auch einen nationalen Weg vorstellen.»