Schneider will Pharmafirmen zur Kasse bitten

05.10.2026 13:25

Wer bezahlt für die Beseitigung von Rückständen von Medikamenten oder

Kosmetika aus dem Wasser? Der Umweltminister hat da eine klare
Meinung. Und auch zum Wasserverbrauch von Rechenzentren.

Berlin (dpa) - Wenn es nach Bundesumweltminister Carsten Schneider
geht, zahlen Pharmafirmen in Zukunft für die Reinigung des Wassers
von Medikamentenrückständen. «Rückstände aus Medikamenten oder
Kosmetika lassen sich nur durch eine zusätzliche vierte
Reinigungsstufe in Kläranlagen herausfiltern», sagte der
SPD-Politiker bei einer Wasserkonferenz seines Ministeriums in
Berlin. Er brachte auch stärkere finanzielle Belastungen für
Rechenzentren ins Spiel.

EU-Regelung sieht Belastungen für Hersteller vor

Zum Thema Abwasserreinigung sagte Schneider: «Das muss fair
finanziert sein, nicht von den Bürgerinnen und Bürgern, sondern vom
Verursacher.» Es gebe dagegen großen Lobbydruck.

Die Ende 2024 verabschiedete EU-Kommunalabwasserrichtlinie ist seit
Anfang 2025 in Kraft und muss bis Ende Juli 2027 in deutsches Recht
umgesetzt werden. Sie sieht unter anderem eine zusätzliche, vierte
Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikroschadstoffen vor. Pharma- und
Kosmetikhersteller sollen mindestens 80 Prozent der dafür anfallenden
Kosten tragen. 

Minister will im Zweifel nationale Regelung

Wie das in Deutschland konkret organisiert wird, ist nach Angaben
eines Sprechers des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) noch offen,
einen Gesetzentwurf gebe es bislang nicht. Vor dem Europäischen
Gerichtshof läuft zudem eine Klage Polens gegen die
Herstellerverantwortung. Sollte sie in der jetzigen Form für nichtig
erklärt werden, wäre nach Einschätzung des VKU offen, wie die vierte

Reinigungsstufe finanziert wird. Bliebe die Ausbaupflicht bestehen,
könnten die Kosten nach Einschätzung des VKU stärker bei Verbrauchern

und Unternehmen landen.

Schneider will hart bleiben. Er hoffe auf eine EU-Lösung zur
finanziellen Beteiligung der Hersteller. «Wenn es sein muss, kann ich
mir auch einen nationalen Weg vorstellen.»

Bei Wasserknappheit will Schneider Betreiber von Rechenzentren mehr
für die Nutzung zahlen lassen - oder von ihnen Investitionen in
sparsamere Technik verlangen. Zeiten von Wasserknappheit würden auch
in Deutschland häufiger, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in
Berlin. 

Schneider sieht Verteilungsfragen

«Dies führt zu neuen Verteilungsfragen, auf die wir gerechte
Antworten finden müssen. Wenn Wasser knapp ist, kann es nicht sein,
dass die Grundbedürfnisse der Bürger mit Großverbrauchern wie
Rechenzentren konkurrieren müssen.» Schneiders Schlussfolgerung:
«Dann müssen Betreiber von Rechenzentren, die oft sehr hohe Gewinne
machen, mehr für Wasser zahlen oder in Technik zum Wassersparen
investieren.» Es brauche einen Rahmen, der einen sparsamen Umgang mit
Wasser belohnt und Anreize für Investitionen in effiziente
Technologien setze. 

Rechenzentren benötigen viel Strom, ihr Ausbau wird durch den KI-Boom
getrieben. Wasser wird unter anderem für Stromerzeugung und Kühlung
benötigt. Neue Projekte setzen teils auf wassersparende oder
wasserlose Kühlkonzepte. Wie groß das Problem ist, ist unklar: Eine
Studie der Gesellschaft für Informatik aus dem vergangenen Jahr sieht
im Wasserverbrauch von KI-Rechenzentren eine relevante
Herausforderung, weist aber auf wassersparende Technologien und viele
offene Fragen hin. 

Greenpeace fordert mehr

Greenpeace gehen Schneiders Forderungen nicht weit genug. Die
Umweltorganisation sieht neben dem Umweltminister auch
Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) in der Pflicht. «Gemeinsam
müssen die beiden Minister verhindern, dass Mega-Rechenzentren mit
ihrem enormen Wasserverbrauch in Gebieten wie Brandenburg oder dem
Rhein-Main-Gebiet entstehen, die bereits jetzt unter Trockenheit
leiden.» Der Hitzesommer zeige, dass Wasser kostbar sei. «Es im
großen Maßstab zu nutzen, um Rechenzentren zu kühlen, können sich
viele Regionen nicht leisten.»