EU warnt vor Ausweitung des Konflikts in Äthiopien
06.10.2026 15:02
Die Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea nehmen zu. Die EU warnt
vor einer Ausweitung der Gewalt am Horn von Afrika. Eine militärische
Eskalation würde sich erheblich auf die Region auswirken.
Brüssel (dpa) - Die Europäische Union warnt vor einer weiteren
Eskalation am Horn von Afrika. Die zunehmende Gewalt in Äthiopien und
die wachsenden Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea könnten
schwerwiegende Folgen für Frieden und Stabilität in der gesamten
Region haben, teilte eine EU-Delegation in Äthiopien mit.
Auch die Risikoberatungsfirma Verisk Maplecroft sieht Anzeichen für
eine mögliche militärische Konfrontation. Der anhaltende Vormarsch
äthiopischer Truppen nach Norden und Drohnenangriffe im Norden der
Region Tigray deuteten darauf hin, dass die äthiopischen Streitkräfte
Bedingungen für einen Konflikt mit Eritrea schafften, heißt es in
einer Analyse. Äthiopische Regierungsvertreter hätten wiederholt den
Anspruch des Landes auf einen Zugang zum Meer betont.
Auch Eritrea könnte nach Einschätzung des Afrika-Analysten Edward
Bach von Verisk Maplecroft zu einer Eskalation bereit sein. Die
Unterstützung für die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) habe
unter anderem dazu gedient, die äthiopischen Streitkräfte zu binden
und deren langfristiges Ziel eines Zugangs zum Meer zu erschweren,
sagte Bach.
Krieg könnte Partner beider Länder in den Konflikt hineinziehen
Da die TPLF inzwischen deutlich geschwächt sei, könnte Eritrea nun
ebenfalls zu dem Schluss kommen, dass ein Angriff zum jetzigen
Zeitpunkt günstig sei. Ein Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea birgt
das Risiko, dass auch die strategischen Partner beider Länder -
darunter Ägypten, Sudan und die Golfstaaten - in den Konflikt
hineingezogen werden. Dies würde die Instabilität in der gesamten
Region weiter verschärfen.
Entsprechend forderte die EU eine sofortige Deeskalation an allen
Fronten und die Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Zugleich
müsse die Souveränität und territoriale Unversehrtheit aller Staaten
respektiert werden. Die Konfliktparteien sollten sich zudem erneut
zur vollständigen Umsetzung des im Rahmen der Afrikanischen Union
geschlossenen Abkommens über die dauerhafte Einstellung der
Feindseligkeiten (CoHA) verpflichten.
