Euro-Finanzminister suchen Nachfolge für Schnabel bei EZB

08.10.2026 20:11

Im Direktorium der EZB wird - früher als geplant - ein Platz frei:
Die deutsche Top-Ökonomin Schnabel zieht es für eine neue Rolle nach
Washington. Das Rennen um die Nachfolge startet.

Luxemburg (dpa) - Die Finanzminister der Euro-Länder nehmen die
Nachfolge der scheidenden EZB-Direktorin Isabel Schnabel in Angriff.
Man habe das Verfahren zur Auswahl eines Nachfolgers eingeleitet,
sagte Eurogruppenpräsident Kyriakos Pierrakakis nach einem Treffen in
Luxemburg mit den Finanzministern aus den Staaten mit der
Gemeinschaftswährung.

Die Auswahl einer Kandidatin oder eines Kandidaten erfolgt in der
Eurogruppe. Bis zum 28. Oktober müssten Kandidaturen eingereicht
werden, sagte der Grieche weiter. Dann könne beim nächsten Treffen
des Gremiums im November darüber beraten werden.

Ernannt wird ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin dann durch die
EU-Staats- und Regierungschefs, nach Anhörung der Europäischen
Zentralbank und des Europäischen Parlaments.

Klingbeil: Deutschland wird weiter einflussreiche Rolle in EZB
spielen

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sagte am Rande des Treffens, es
sei natürlich klar, dass Deutschland innerhalb der Europäischen
Zentralbank weiterhin eine wichtige, auch einflussreiche Rolle
spielen werde. «Das werde ich gegenüber den europäischen Kollegen
auch deutlich machen», kündigte der Minister an. Die
Personalentscheidungen würden dann in der Bundesregierung getroffen
und gemeinsam vorgeschlagen werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Ende September mitgeteilt,
dass die deutsche Top-Ökonomin Schnabel zu Jahresbeginn 2027
vorzeitig von ihrem Posten zurücktritt und zum Internationalen
Währungsfonds wechselt. Regulär wäre die Amtszeit der derzeit
ranghöchsten Deutschen bei der EZB noch bis Ende 2027 gelaufen. Sie
genießt hohe Anerkennung und wird zum 4. Januar Direktorin der
Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte und Finanzberaterin des IWF.

2027 müssen weitere Spitzenposten nachbesetzt werden

Seit Monaten halten sich zudem Spekulationen, dass EZB-Präsidentin
Christine Lagarde die Notenbank vor Ablauf ihrer Amtszeit im Oktober
2027 verlassen könnte. Ende September sagte sie der französischen
Zeitung La Croix: «Ich schließe nicht die Möglichkeit aus, ein paar
Monate vor Ablauf meiner Amtszeit zurückzutreten, aber ich habe noch
nichts Konkretes angekündigt, und eines ist sicher: 2027 werde ich
noch hier sein.»

Ab Juni 2027 braucht die Notenbank zudem einen neuen Chefökonomen,
weil dann die Amtszeit von Inhaber Philip Lane endet. Daher gilt es
als wahrscheinlich, dass auf europäischer Ebene ein ganzes
Personalpaket für die EZB-Spitzenposten gefunden werden muss.
Ambitionen für die EZB-Präsidentschaft hat auch Bundesbank-Präsident

Joachim Nagel angemeldet.