EU stuft Lithiumabbau im Osten als strategisch wichtig ein
09.10.2026 12:02
Die EU will zehn Prozent ihres Lithiumbedarfs selbst decken. Die
Projekte der Unternehmen Neptune Energy in der Altmark und Zinnwald
Lithium im Osterzgebirge sollen dabei eine wichtige Rolle spielen.
Brüssel/Salzwedel/Zinnwald (dpa) - Die EU-Kommission stuft zwei
Bergbauprojekte zur Förderung von Lithium in Sachsen und
Sachsen-Anhalt als strategisch wichtige Projekte für kritische
Rohstoffe ein. Damit gehören die Projekte des Unternehmens Neptune
Energy in Salzwedel und von Zinnwald Lithium in Zinnwald-Georgenfeld
zu einer Gruppe von 46 neuen Projekten in 16 EU-Mitgliedsstaaten, die
künftig besonders vorangetrieben werden sollen. Acht der Projekte
sind in Deutschland. Insgesamt hatte es 171 Bewerber gegeben, sagte
EU-Kommissar Stéphane Séjourné bei der Vorstellung der Auswahl in
Brüssel.
Rohstoffe für Batterien, Energiespeicher und Elektromobilität
Die 46 ausgewählten Projekte sollen unter anderem von beschleunigten
Genehmigungsverfahren sowie einem verbesserten Zugang zu
Finanzierungsmöglichkeiten profitieren. Ziel sei eine «echte
Wertschöpfungskette von der Mine bis zum Recycling». Bis 2030 wolle
die Europäische Union zehn Prozent ihres Rohstoffbedarfs über eigene
Abbauprojekte abdecken. Beim Lithiumabbau sieht er dieses Ziel
demnach absehbar erreicht. Nach einer ersten Entscheidung zu einer
Auswahl kritischer Projekte im vergangenen Jahr hat sich die EU nun
auf insgesamt 93 solcher strategischen Projekte unter dem sogenannten
«Critical Raw Materials Act» festgelegt.
Unternehmen wollen Lithium aus Tiefenwasser und Gestein fördern
Das Unternehmen Zinnwald Lithium plant den Abbau von Lithium aus
Festgestein unterhalb von Zinnwald-Georgenfeld unmittelbar an der
Grenze zu Tschechien, wo ein Lithium-Projekt zum Abbau desselben
Erzkörpers auf tschechischer Seite den EU-Status als kritisches
Projekt bereits bekommen hat. Bislang war von einem jährlichen
Abbauvolumen von bis zu 1,5 Millionen Tonnen Lithium-Erz in Sachsen
die Rede. In diesem Jahr war die Muttergesellschaft Zinnwald Lithium
Plc vollständig vom niederländischen AMG Lithium-Konzern übernommen
worden. In Bitterfeld-Wolfen hat AMG Lithium zudem Europas erste
Lithiumhydroxid-Raffinerie in Betrieb genommen.
Neptune Energy erprobt in der Altmark die Gewinnung von Lithium aus
Thermalwasser in einer Tiefe von bis zu 4.000 Metern. Eine
entsprechende Pilotanlage zur Erforschung des Verfahrens betreibt das
Unternehmen in Salzwedel. Später soll das Lithium im industriellen
Maßstab in der Altmark gefördert werden. Das Lithium sei in großer
Tiefe in dem Thermalwasser gelöst, das sich in feinen Poren im
Gestein verteile. Durch Bohrungen und ein spezielles
Adsorptionsverfahren soll der Rohstoff aus dem Wasser gewonnen
werden.
Vorkommen in der Altmark gilt als eines der bedeutendsten weltweit
Der Status als strategisches Projekt bestätige das Potenzial der
Altmark für die europäische Rohstoffsicherheit, sagte der
Geschäftsführer von Neptune Energy, Andreas Scheck. «Europa braucht
eigene, verlässliche und nachhaltige Quellen für kritische Rohstoffe
sowie den Aufbau nachgelagerter Wertschöpfungsketten.» Das
Lithium-Projekt in der Altmark könne dabei eine wichtige Rolle
spielen. Lithium ist ein zentraler Rohstoff für Batterien,
Energiespeicher und die Elektromobilität. Nach Unternehmensangaben
zählt das Vorkommen in der Altmark zu den bedeutendsten bekannten
Lithium-Solevorkommen weltweit.
Bürgerinitiativen sehen Abbauvorhaben kritisch
Bürgerinitiativen in Altmark und Erzgebirge warnen vor den
Umweltauswirkungen der Abbauvorhaben und sehen die Projekte kritisch.
Zusätzliche Fördermittel sind mit der Einstufung als strategisches
EU-Projekt nicht verbunden. Für die Unternehmen bedeutet der Status
vor allem die Aussicht auf schnellere Genehmigungsverfahren und damit
auch einfacheren Zugang zu Kapital. Je nach Projektart soll die
Verfahrensdauer künftig auf maximal 27 Monate eingedampft werden,
teilt die EU-Kommission mit. Bisher könne das Verfahren bis zu zehn
Jahre dauern.
Sachsens oberste Bergbaubehörde, das Oberbergamt in Freiberg, hatte
zuletzt erklärt, der EU-Status bedeute zusätzliche
Personalkapazitäten bei der Bearbeitung der Sache, nicht aber weniger
strenge Regularien.
