EU ringt China Kompromiss zu Hybridauto-Exporten ab Von Johannes Neudecker, Ansgar Haase, Niklas Treppner und Burhkard Fraune, dpa
09.10.2026 18:07
Die EU will die Importe chinesischer Hybridautos deutlich eindämmen.
In China verständigen sich Brüssel und Peking nun auf einen
Kompromiss. Kann die deutsche Autoindustrie aufatmen?
Peking (dpa) - Im Handelsstreit mit der EU akzeptiert China eine
Drosselung chinesischer Exporte von Hybridautos nach Europa. Die
Lieferungen in die Europäische Union könnten dadurch um mehr als die
Hälfte zurückgehen, erklärte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic nach
Verhandlungen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao in Peking. Zuvor
hatte China eine Erklärung veröffentlicht, darin allerdings nur von
einer Einigung bei dem Thema gesprochen, ohne nähere Details zu
nennen.
Laut Sefcovic ist dies das erste Mal, dass China akzeptiert habe,
seine Exporte zu mäßigen, ohne zuvor eine Phase von Handelsspannungen
zu durchlaufen. Konkret erklärte der Slowake, im Fall der Hybrid- und
Plug-in-Hybridautos werde sich die Zahl der von China nach Europa
exportierten Fahrzeuge über die kommenden vier Jahre um «einige
Millionen Fahrzeuge» reduzieren. Die Vereinbarung ist nach Angaben
beider Seiten mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO)
vereinbar.
Bedeutung für Deutschlands Autobauer
Die Verständigung könnte für die deutschen Autobauer den Druck durch
die chinesische Konkurrenz etwas lindern. Denn Hybride sind
inzwischen das größte Marktsegment in der EU. Im August waren mehr
als 44 Prozent der neu zugelassenen Autos Hybride oder
Plug-in-Hybride - also Autos, die einen Verbrennungsmotor mit einem
Elektromotor und einer Batterie kombinieren, teils auch mit
Ladeanschluss (Plug-in).
Wie bei den rein batteriebetriebenen Elektroautos konnten chinesische
Hersteller auch in diesem Segment in Europa zulegen. VW-Chef Oliver
Blume warnte vor einigen Wochen: «Chinesische Hersteller
drängen aggressiv auch nach Europa und gewinnen schnell
Marktanteile.» Im zweiten Vierteljahr sei jeder dritte verkaufte
Plug-in-Hybrid in Europa von chinesischen Herstellern gekommen. Mit
ihren Preisen können die deutschen Hersteller nicht mithalten -
Experten sprechen von einem «Preiskrieg» angesichts kräftiger Rabatte
von Herstellern wie BYD.
Automobilindustrie mit vorsichtigem Lob
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßte die Vereinbarung
zwischen der EU und China. Die Verständigung sei ein erstes positives
Signal, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller laut Mitteilung.
Zugleich fügt sie hinzu, eine abschließende Bewertung der
Vereinbarungen sei erst möglich, wenn die konkreten Inhalte,
Rahmenbedingungen und Auswirkungen auf die Automobilindustrie im
Detail bekannt würden.
Der Europaabgeordnete Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des
Handelsausschusses des Parlaments, teilte mit: «Es sind erste
Fortschritte sichtbar, aber ein zentraler Durchbruch war das noch
nicht.» Lange lobte die vereinbarte Reduktion von Importen
chinesischer Hybridautos. Dies lindere den Druck auf europäische
Autobauer, ohne den europäischen Markt abzuschotten.
Auffällige Details
Die Vereinbarung zu Hybridautos war allerdings nur einer von 16
Punkten in der gemeinsamen Erklärung der Chinesen und Europäer. Beide
Seiten sagten unter anderem zu, innerhalb der WTO-Regeln nach einer
Möglichkeit zu suchen, Zölle für bestimmte Güter zu reduzieren.
Auffällig war dabei, dass nur die EU-Mitteilung zusätzlich von einer
möglichen «Beseitigung» von Zöllen sprach.
Auch Exportkontrollen kamen zur Sprache, wobei sich bei diesem
Streitthema weniger Bewegung andeutete. Beide Seiten einigten sich
auf mehr Transparenz bei der Aufnahme in eine oder der Streichung von
einer Exportkontrollliste.
China erklärte sich bereit, die Erteilung von Ausfuhrgenehmigungen
für die Lieferung von seltenen Erden und Permanentmagneten in die EU
im Rahmen des Schnellverfahrens weiterhin zu erleichtern. Die EU will
Peking dafür mit einer leichteren Erteilung spezifischer vorrangiger
Genehmigungen für Güter mit doppeltem Verwendungszweck, also sowohl
für den zivilen als auch militärischen Nutzen, entgegenkommen.
Sefcovic betonte, derzeit werde geprüft, wie der Prozess für die
europäischen Unternehmen noch reibungsloser und benutzerfreundlicher
gestaltet werden könne. China ist für seltene Erden ein globaler
Hauptproduzent. Die Exportkontrollen hatten in der Industrie in
Europa Versorgungsängste hervorgerufen.
Wie es weitergeht
Die Ergebnisse würden nun EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der
Leyen vorgelegt und den EU-Mitgliedstaaten, sagte Sefcovic. Hier
liege die finale Entscheidung. Außerdem stellten Wang und Sefcovic
für Januar ein weiteres Treffen per Videoschalte in Aussicht. Die
dritte Runde der im Juni ins Leben gerufenen Handels- und
Investitionsberatungen (Tic) soll im März tagen.
Für den Fall, dass China insgesamt im Handelskonflikt nicht einlenkt,
dringen vor allem Deutschland und Frankreich angesichts wachsender
Schäden für die europäische Industrie auf ein entschlosseneres
Vorgehen gegen chinesische Importe. Sie fordern unter anderem ein
neues Instrument, mit dem der Zugang zum EU-Markt für bestimmte
Produkte schnell eingeschränkt werden könnte.
Die EU führte im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 360
Milliarden Euro mehr aus China ein, als sie dorthin exportierte.
Brüssel wirft Peking vor, mit staatlichen Subventionen für unfairen
Wettbewerb zu sorgen. China warnt dagegen vor protektionistischen
Maßnahmen der EU.
