Empörung wegen Diesel-Deal von Trump und Putin

10.10.2026 17:07

Trump schließt eine Diesel-Vereinbarung mit Russlands Kriegsherrn
Wladimir Putin ab. Helfen will er damit US-Farmern. In Deutschland
und Europa reichen die Reaktionen bis zu deutlicher Empörung.

Washington/Berlin (dpa) - Auch nach einer Vereinbarung von
US-Präsident Donald Trump mit Kremlchef Wladimir Putin zu raschen
Diesel-Lieferungen will Deutschland kein Öl oder Benzin aus Russland.
«Die Bundesregierung hält an den Sanktionsbeschlüssen gegen Russland

fest und arbeitet gemeinsam mit den europäischen Partnern an weiteren
Sanktionen», betonte der Sprecher von Bundeskanzler Friedrich Merz
(CDU) als Reaktion auf die Vereinbarung. Der Wirtschaftsverband Fuels
und Energie erwartet keine größeren Auswirkungen des
USA-Russland-Deals auf die Preise an deutschen Tankstellen.

Trump verkündete nach einem Gespräch mit Putin auf seiner Plattform
Truth Social, er habe mit dem russischen Präsidenten vereinbart, dass
«umgehend» mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den
Weltmarkt zur Verfügung gestellt würden. Im Laufe des Novembers soll
laut Trump eine weitere halbe Million Tonnen Diesel freigegeben
werden sowie eine Million Tonnen «sofort danach». «Abhängig vom
Zustand seiner Dieselraffinerien» wolle Russland zudem innerhalb
kurzer Zeit drei Millionen Tonnen Diesel liefern.

Die EU kritisierte die Vereinbarung. «Bei russischen Angriffen sind
innerhalb von zwei Tagen mehr als 80 ukrainische Zivilisten getötet
worden. Zugleich hat Russland seine hybriden Angriffe gegen Europa
verstärkt - sowohl gegen EU-Mitgliedstaaten als auch gegen
Nato-Verbündete», erklärte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Das

Aussetzen von Sanktionen gegen russische Diesellieferungen verschaffe
Moskau zusätzliche Einnahmen, um seinen Krieg zu finanzieren.

Trump unter Druck

Trump nannte niedrigere Dieselpreise «insbesondere für unsere
großartigen Landwirte, Viehzüchter und Lkw-Fahrer» seine oberste
Priorität. Vor Journalisten am Weißen Haus sagte Trump: «Ich möchte

Präsident Putin danken». Aktuell steht Trump wegen gestiegener
Spritpreise vor den wichtigen Zwischenwahlen in weniger als einem
Monat stark unter Druck. 

Putin bestätigte den Deal. «Bei der Diskussion der Situation auf dem
weltweiten Energiemarkt bestätigte die russische Seite ihre
Bereitschaft, Erdöl und Erdölprodukte auf den amerikanischen und die
Weltmärkte zu liefern», hieß es in einer schriftlichen Erklärung vo
n
ihm. Das werde sich positiv auf die «gesamte Weltwirtschaft»
auswirken.

Selenskyj empört

Empört reagierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die
Vereinbarung sei «nicht fair und nicht ehrlich», sagte er dem
US-Nachrichtenportal «Axios». Besonders verärgert zeigte er sich
darüber, dass Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner
parallel zu der Vereinbarung mit Putin in Miami mit ukrainischen
Unterhändlern über ein mögliches Ende des Krieges verhandelten. Von
dem geplanten Diesel-Abkommen sei dabei keine Rede gewesen. Auf
Telegram schrieb Selenskyj: «Die Erlaubnis für Russland,
Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg (gegen
die Ukraine), den man beenden und nicht verlängern muss.» Moskau
werde mit weiterem «Terror und Gemeinheiten» danken.

Die USA hoben Sanktionen gegen russischen Diesel bereits
vorübergehend auf. Das US-Finanzministerium stellte eine temporäre
Erlaubnis für Verkauf, Lieferung, Entladen und Import von Diesel aus
Russland bis zum 7. April 2027 aus.

Berlin will an Seite Kiews bleiben 

In Berlin betonte die Bundesregierung das Festhalten an ihrem
Russland-Kurs. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte: «Die
Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf bleibt ungebrochen.»
Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche
(CDU) unterstrich: «Deutschland steht uneingeschränkt zu den
Sanktionspaketen.» Russisches Öl und Rohölprodukte seien seit 2023
durch die EU sanktioniert. Deutschland beziehe seitdem kein Öl oder
Öl-Produkte aus Russland. «Wir sind unabhängig von russischem Öl.
».
Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet.

Merz und Reiche hatten erst Anfang Oktober in Begleitung von
Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie die unentwegt von
Russland angegriffene ukrainische Hauptstadt Kiew besucht.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erwartet auch keine größeren
Auswirkungen des Diesel-Deals für hiesige Autofahrer. «Seit dem 5.
Februar 2023 gilt ein Importverbot für russischen Diesel in die EU.
Dabei bleibt es», sagte ein Sprecher. «Angesichts der laut den
Meldungen vereinbarten Mengen erwarten wir keine signifikanten
Auswirkungen auf den Weltmarkt und die Preise.» Auch Daten des
Spritpreisportals Tankerkönig zeigten bis Samstagmittag keine
größeren Ausschläge. Die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der
deutschen Wirtschaft (IW) Köln sagte der Deutschen Presse-Agentur:
«Der Weltmarktpreis wird sich nicht signifikant ändern.»

Kritik an Trumps Kehrtwende

Scharfe Kritik an Trump kam von den Grünen. «Erst ohne erkennbaren
Plan einen Krieg gegen den Iran beginnen, der die Energiepreise
weltweit in die Höhe treibt - und dann ausgerechnet mit dem
Kriegstreiber Putin einen Deal machen, um die Folgen vor den Midterms
abzufedern - skrupelloser geht es nicht», sagte Grünen-Chefin
Franziska Brantner der Deutschen Presse-Agentur. Sie forderte rasche
Unabhängigkeit von fossilen Energien.

Kritik an dem Deal gab es auch von den US-Demokraten. Gregory Meeks,
ranghöchster Demokrat im Auswärtigen Ausschuss des
Repräsentantenhauses, verurteilte Trumps Kurswechsel: «Wochen nach
der Unterzeichnung eines Gesetzes, das Sanktionen gegen Käufer
russischer Energie vorsieht, kündigt Trump an, dass die Vereinigten
Staaten diese kaufen werden.» Erst im September hatte Trump ein vom
Parlament verabschiedetes Gesetz unterzeichnet, das ihm weite
Befugnisse für neue Sanktionen gegen Russland gibt - auch um die
russischen Öl- und Gas-Exporte stärker einzudämmen. Russland
finanziert mit seinem Öl den Krieg gegen die Ukraine.

Bedarf von 14 Stunden decken

Trump hatte in den vergangenen Wochen den ukrainischen Präsidenten
Selenskyj für eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich gemacht
und ihn aufgerufen, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen.
Selenskyj erneuerte nun die ukrainische Bereitschaft dazu, wenn
Russland im Gegenzug die Attacken auf ukrainische Energieanlagen
einstellt. Eine Abschwächung der Russland-Sanktionen hingegen sei ein
Zeichen der «offensichtlichen Schwäche». Russland werde die USA noch

weniger ernst nehmen. Wie Angaben der US-Energiebehörde EIA zum
Verbrauch in den USA zeigen, decken dort 300.000 Tonnen rechnerisch
den Verbrauch für gut 14 Stunden.