Nach Diesel-Deal: Beziehung zwischen Washington und Kiew auf Tiefpunkt

11.10.2026 15:00

Trump fordert einen neuen Präsidenten für die Ukraine und schließt
einen Diesel-Deal mit Kremlchef Putin. Was das für Kiew und den Krieg
bedeutet.

Washington/Moskau/Kiew (dpa) - Vor den Zwischenwahlen in den USA
steht Präsident Donald Trump wegen der hohen Lebenshaltungs- und
Spritpreise unter Druck - und verkündet einen Diesel-Deal mit
Kremlchef Wladimir Putin. Gegen den ukrainischen Präsidenten
Wolodymyr Selenskyj hingegen teilt er aus und fordert sogar ein neues
Staatsoberhaupt in Kiew. Wie ist es um das Verhältnis zwischen
Washington, Moskau und Kiew derzeit bestellt?

Wie ist das Verhältnis zwischen Trump und Selenskyj?

Das Verhältnis der beiden ist wechselhaft. Ein Tiefpunkt war der
Eklat im Weißen Haus im Februar 2025, bei dem Trump und sein Vize JD
Vance Selenskyj vor laufenden Kameras in die Mangel nahmen und ihm
fehlenden Respekt und mangelnde Dankbarkeit vorwarfen. Darauf folgte
jedoch eine Wiederannäherung, ein umstrittenes Rohstoffabkommen und
sogar Lob für Selenskyj als starken Staatschef.

Warum haben sich die Beziehungen jetzt wieder verschlechtert?

Kiew verstärkte in seinem Abwehrkampf gegen den russischen
Angriffskrieg zuletzt seine Gegenangriffe auf den für Moskaus
Kriegskasse so wichtigen Ölsektor in Russland. Selenskyj wiederholte
aber am Sonntag, dass Kiew die Angriffe auf Raffinerien einstellen
werde, wenn Russland keine ukrainischen Energieanlagen mehr
attackiere. Moskau lehnte das bisher ab.

Trump hatte die Ukraine in den vergangenen Wochen mehrfach für eine
weltweite Dieselknappheit verantwortlich gemacht. Allerdings waren
die Treibstoffpreise aufgrund des Kriegs der USA gegen den Iran
massiv in die Höhe geschnellt. 

Auf der anderen Seite unterzeichnete der US-Präsident im September
ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz, das ihm weitreichende
Befugnisse für neue Sanktionen gegen Russland einräumt - auch um die
russischen Öl- und Gas-Exporte stärker einzudämmen. 

Mit seiner Aussage, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten brauche,
schlägt sich Trump nun wieder auf die Seite Moskaus, das Selenskyj
immer wieder die Legitimität abspricht. Allerdings verbietet das in
der Ukraine geltende Kriegsrecht Wahlen zu Kriegszeiten.

Warum sind die USA wichtig für die Ukraine?

Der größte Unterstützer der Ukraine ist inzwischen Deutschland.
Allerdings sind etwa US-Geheimdienstinformationen für Kiew wichtig.
Nach dem Eklat im Weißen Haus hatte Washington die geheimdienstliche
Kooperation bereits einmal vorübergehend eingestellt. Außerdem gelten
die US-Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot als wirksames Mittel zur
Abwehr ballistischer Raketen. Moskau setzt diese zunehmend gegen die
Ukraine ein - in dem Wissen, dass es dort an Abwehrmöglichkeiten
mangelt. Kiew hoffte im Sommer auf eine Produktionslizenz. Hinzu
kommt, dass die USA sich in dem Konflikt als Vermittler sehen und mit
Russland und der Ukraine über ein mögliches Ende des Kriegs sprechen.

Auch das Satelliten-Internetsystem Starlink von Tech-Milliardär und
Trump-Unterstützer Elon Musk könnte den ukrainischen Streitkräfte
helfen. Die Ukraine bemüht sich derzeit um eine Freischaltung des
Dienstes für ihre Drohnenangriffe auf russischem Gebiet. Musk stellte
sich in einem Post auf seiner Plattform X hinter den US-Präsidenten.
Selenskyj sei zu weit gegangen, schrieb er in einer Reaktion auf eine
Äußerung Trumps zu ukrainischen Angriffen auf Raffinerien. 

Welche Kritik gibt es?

Bundesbildungsministerin Karin Prien kritisierte Trumps Forderung
nach einem neuen Präsidenten scharf. «Für ein paar Liter Diesel. Was

für ein moralischer Bankrott», schrieb die stellvertretende
CDU-Vorsitzende auf der Plattform X zu einem Artikel über Trumps
Äußerungen. Außenminister Johann Wadephul sagte «Wir brauchen nicht

weniger, wir brauchen mehr Druck auf Putin, dass er bereit ist, zu
verhandeln.» 

Der britische Premierminister Andy Burnham sicherte Selenskyj nach
Angaben aus London zu, Sanktionen gegen Russland zu verstärken. Auch
die EU kritisierte die Vereinbarung scharf. Aus den USA kommt
ebenfalls Kritik. Ex-Vizepräsident Mike Pence schrieb etwa auf der
Plattform X, dass Trumps Entscheidung, Sanktionen zu lockern keinen
Sinn ergebe und Putins Kriegsmaschine anheize. 

Was bedeutet der Diesel-Deal für Russland?

Die Vereinbarung bringt Moskau wieder ein Stück weiter auf die
Weltbühne, wie schon das Treffen von Trump und Kremlchef Putin in
Anchorage im vergangenen Jahr oder zuletzt die Einladung zum
G20-Gipfel in den USA. Die Regierung in Moskau hob das Export-Verbot
für Diesel teilweise auf. Der Beschluss ermöglicht es, sofort mehr
als 300.000 Tonnen Diesel auf den Weltmarkt zu bringen. Im Laufe des
Novembers soll laut Trump eine weitere halbe Million Tonnen Diesel
freigegeben werden sowie eine Million Tonnen «sofort danach». Zuvor
hatte Russland den Export von Diesel verboten, um der Spritknappheit
im eigenen Land Herr zu werden. Infolge ukrainischer Drohnenangriffe
kam es zu Engpässen in der Rohstoffmacht. Immer wieder gibt es lange
Schlangen und Beschränkungen an Tankstellen - sogar in der Hauptstadt
Moskau.