Brüssel ermittelt wegen Porta-Übernahme durch XXXLutz

12.10.2026 20:54

Weniger Auswahl und höhere Preise? Ein Riese auf dem deutschen
Möbelmarkt gerät wegen einer geplanten Übernahme ins Visier der
EU-Kommission. Der Deal könne Verbrauchern schaden.

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission ermittelt wegen möglicher
Wettbewerbsverzerrungen bei der geplanten Übernahme von Porta durch
den österreichischen Möbelriesen XXXLutz. Es gebe nach einer
vorläufigen Untersuchung Hinweise, dass der Zusammenschluss dem
Wettbewerb in Deutschland, Tschechien und der Slowakei schaden könne,
teilte die Brüsseler Behörde mit. 

Besonders in der Bundesrepublik hätten XXXLutz und Porta eine
besonders starke Stellung im Bereich der Möbel-Discounter. Viele
ihrer Filialen konkurrieren laut Kommission in denselben Regionen um
Kunden. Falle der gegenseitige Wettbewerbsdruck weg, drohten höhere
Preise und weniger Auswahl für Kunden, so die Sorge der Behörde. 

EU-Kommission sieht mögliches Problem auch für Hersteller 

Auch auf der Beschaffungsseite sieht die Kommission Risiken für die
Märkte in Deutschland, Tschechien, Slowakei und Polen. XXXLutz sei
bereits ein wichtiger Kunde für Möbelhersteller und verfüge über
erhebliche Einkaufsmacht. 

Würden auch die Porta-Marken Teil von XXXLutz, fiele einer der
wenigen großen alternativen Abnehmer weg, heißt es in der Mitteilung.
Die Kommission will demnach nun prüfen, ob Lieferanten dadurch
stärker vom fusionierten Unternehmen abhängig würden. 

Die Brüsseler Behörde hat bis zum 25. Februar 2027 Zeit, eine
Entscheidung zu treffen. Die nun ausgeweiteten Ermittlungen bedeuten
nicht, dass die Übernahme am Ende untersagt wird. 

Übernahme zu spät in Brüssel angemeldet? 

Bereits im Juli hatte die Kommission eine Untersuchung gestartet. Die
Wettbewerbshüter verdächtigen die Unternehmen, mit der Durchführung
der Übernahme nicht abgewartet zu haben, bis eine Genehmigung dafür
vorliegt. 

Das Vorhaben war nach Kommissionsangaben erst am 7. September dieses
Jahres in Brüssel angemeldet worden. Die geplante Transaktion
zwischen XXXLutz und Porta sei demnach aber bereits Anfang Januar
2025 öffentlich bekanntgegeben worden. 

Bis zur Freigabe dürfen die beteiligten Unternehmen laut EU-Regeln
keine Maßnahmen ergreifen, die zu einem faktischen Kontrollwechsel
führen - etwa die Abstimmung von Geschäftsabläufen oder den Austausch

sensibler und wettbewerbsrelevanter Informationen. 

Die EU-Kommission hatte nach eigenen Angaben aber Hinweise, wonach
XXXLutz und Porta möglicherweise gegen diese sogenannte
Stillhalteverpflichtung verstoßen hätten. 

Auch Home24 und Roller gehören zu XXXLutz 

Die deutsche Möbelindustrie hatte im vergangenen Jahr angesichts der
geplanten Übernahme von einer «dramatischen Nachricht» gesprochen.
«Käme dieser Kauf zustande, würde sich die ohnehin schon hohe
Konzentration im deutschen Möbelhandel weiter verschärfen und eine
bedrohliche Größenordnung erreichen», hieß es in einer Reaktion der

Verbände der deutschen Möbelindustrie. 

Die XXXLutz-Unternehmensgruppe, zu der auch Roller, Home24, Mömax und
Poco gehören, ist nach eigenen Angaben einer der weltweit größten
Möbelhändler. Porta gibt es seit 1965. Damals wurde das erste
Einrichtungshaus in der Nähe von Porta Westfalica errichtet.