Chinas Exporte stark gewachsen - Überschuss auf Rekordkurs

14.10.2026 07:07

Chinas Exportmotor läuft weiter auf Hochtouren. Doch bei Chinas
Handelspartnern wächst die Kritik am Ungleichgewicht. Zu einer
jüngsten Vereinbarung haben Experten unterschiedliche Meinungen.

Peking (dpa) - Chinas Exporte haben im September ungeachtet des
wachsenden Drucks von Handelspartnern deutlich zugelegt. In US-Dollar
berechnet stiegen die Ausfuhren um 36,3 Prozent gegenüber dem
Vorjahresmonat, wie die Zollbehörde in Peking mitteilte. Auch die
Importe erreichten mit 31 Prozent ein deutliches Plus. Der
Handelsüberschuss im September lag damit bei rund 133 Milliarden
US-Dollar (119 Mrd. Euro). 

Analysten hatten ein Exportwachstum von ungefähr 25 Prozent und ein
Plus bei den Importen von bis zu 24,5 Prozent erwartet. Ein Treiber
für die Exporte im September war nach Angaben des Zolls auch der Boom
bei Künstlicher Intelligenz. Damit einhergehend sei die Nachfrage
nach Schaltkreisen, Speichermedien oder Produkten zur Speicherung und
Übertragung von Strom gestiegen, sagte Zoll-Vizeminister Wang Jun. 

Im kommenden Quartal rechne der Zoll trotz der unruhigen globalen
Lage wegen Chinas Widerstandsfähigkeit im Außenhandel mit einem
anhaltenden Wachstum der Importe und Exporte, sagte Wang. China
steuert damit auf seinen Rekordhandelsüberschuss von 1,2 Billionen
US-Dollar aus dem Jahr 2025 zu. Bereits jetzt kletterte der Wert für
die ersten drei Quartalen auf 938,11 Milliarden US-Dollar (836,9 Mrd.
Euro). 

Hoher Exportzuwachs nach Europa

Die Handelspartner Chinas kritisieren das Ungleichgewicht schon
länger und fordern, dass Peking den Inlandskonsum antreibt. Gründe
für die schwache Binnennachfrage sind die Folgen einer
Immobilienkrise, hohe Jugendarbeitslosigkeit und das schwach
ausgebaute soziale Sicherheitsnetz.

Die geringe Nachfrage zeigte sich auch im September-Handel mit
Deutschland. Chinas Exporte in die Bundesrepublik stiegen gegenüber
dem Vorjahr deutlich um 31,4 Prozent. Die Importe erreichten dagegen
nur ein Plus von 0,1 Prozent. Auch in die EU exportierte China
deutlich mehr (25,3 Prozent) als sie von dort importierte (0,7
Prozent).

Chinas Firmen suchen neue Märkte

Den handelspolitischen Kurs änderte Chinas Regierung bislang nicht.
Peking fokussiert sich mit einem von Investitionen angetrieben
Wachstumsmodell weiter auf Zukunftsbranchen wie Künstliche
Intelligenz oder Chiptechnologie. Parallel wächst die Verschuldung
schnell, vor allem bei den Lokalregierungen. 

Ein Effekt ist, dass jene Firmen, die die Schulden tragen, deutlich
mehr produzieren als der chinesische Binnenmarkt aufnehmen kann. Die
Folge: Die Unternehmen aus Branchen wie der Stahl-, Auto- oder
Solarindustrie suchten neue Märkte im Ausland, um die oft
subventionierten Produkte dort zu günstigen Preisen loszuwerden.

Druck auf Autoindustrie

Die EU wirft China vor, so den Wettbewerb zu verzerren. Peking weist
den Vorwurf von Überkapazitäten und die Darstellung eines
«China-Schocks» zurück. Das Exportwachstum hänge mit verbesserten
Skaleneffekten - also geringeren Kosten pro Einheit durch eine
größere Produktions- und Verkaufsmenge in Unternehmen -, mit der
Innovationsfähigkeit sowie dem Bedarf im Ausland bei der grünen Wende
und industriellen Entwicklung zusammen, hatte das Handelsministerium
erklärt. 

Als Beispiel für Probleme durch Chinas Exporte gilt die
Autoindustrie. Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA zeigen, dass
im September lediglich 1,63 Millionen Fahrzeuge in China verkauft
wurden - ein deutliches Minus von 28,1 Prozent im Vergleich zum
Vorjahr. Parallel exportierten die Hersteller demnach 923.000
Fahrzeuge, was einem Plus von 73,2 Prozent entsprach. 

Details EU-China-Deal bei Hybridfahrzeugen

In Beratungen zwischen Brüssel und Peking einigten sich beide Seiten
am vergangenen Freitag, die Importe von Hybridfahrzeugen aus China
anzupassen. So solle die Zahl der Hybrid- und Plug-in-Hybridautos
über die kommenden vier Jahre um «einige Millionen Fahrzeuge»
reduziert werden, sagte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic. 

Ab Dezember will die EU chinesische Hybridfahrzeug-Importe auf
350.000 Stück pro Jahr begrenzen, wobei die Quote jährlich um sechs
Prozent steigen soll, wie mehrere Medien unter Berufung auf EU-Beamte
berichteten. Chinas Handelsministerium sprach von einer
«Aufwärtskorrektur» gegenüber den in der EU-Statistik von 2025
aufgeführten 302.000 Hybrid-Importen. 

Beobachter skeptisch bis hoffnungsvoll

«Dass beide Seiten verhandeln, ist ein hoffnungsvolles Signal», sagte
der Chef der deutschen Auslandshandelskammer in Ostchina, Michael
Kern. Für die mehr als 5.000 deutschen Unternehmen in China bedeute
dies, dass sich das Risiko einer Eskalation zunächst verringert habe.

Andere sehen eine kurze Atempause für die unter Druck stehende
Autoindustrie. Zwar werde die chinesische Exportmaschine Richtung
Europa etwas gedrosselt, aber der Druck bleibe hoch, sagte
Autoexperte Peter Fintl: «Europäische Hersteller müssen die Zeit
nutzen.» Die Produkt-Pipeline sei gut gefüllt, jedoch gelte es nun
die Kostenbasis zu optimieren. 

Der US-Wirtschaftswissenschaftler Michael Pettis verwies darauf, dass
es sich nur um eine Übereinkunft in einer Branche handle. Dieses
Abkommen berücksichtige weder das Ungleichgewicht auf der
Nachfrageseite in China noch die allgemeine Rolle der EU bei der
Abfederung dieses Ungleichgewichts und werde so kaum Auswirkungen auf
das verarbeitende Gewerbe der EU insgesamt haben, schrieb er auf der
Online-Plattform X.