Energiepreise - EU-Kommission will Klimaregeln verschieben
14.10.2026 11:47
In Brüssel werden Mittel gegen die ausufernden Energiepreise gesucht.
Einen Weg sieht die Kommission darin, bestimmte Klimaregeln später
anzuwenden. Was denkt Berlin darüber?
Brüssel (dpa) - Angesichts der Energiepreiskrise will die Europäische
Kommission bestimmte Klimaschutzregeln für importierte fossile
Brennstoffe erst später als geplant anwenden. Die Brüsseler Behörde
schlägt vor, dass Importeure von Öl, Gas und Kohle erst Anfang 2028
und damit ein Jahr später als geplant EU-Klimaschutzregeln für das
Treibhausgas Methan befolgen müssen. Das geht aus einem neuen
Änderungsvorschlag hervor.
Die einjährige Verschiebung soll auch zusätzlichen Druck auf die
Versorgungssicherheit bei importierten fossilen Brennstoffen
vermeiden, erklärte die Kommission.
Treibhausgas Methan
Methan ist ein Treibhausgas und für Klimaerwärmung und
Luftverschmutzung verantwortlich. Es entsteht in der Landwirtschaft,
auf Mülldeponien sowie in der Öl- und Gasindustrie. Seit 2024 sind in
der EU Regeln in Kraft, die die Methan-Emissionen des Energiesektors
senken sollen. So müssen Betreiber von Öl- und Gasanlagen regelmäßi
g
nach größeren Methanlecks suchen und diese reparieren. Außerdem ist
in den Anlagen das Lüften oder Abfackeln, wobei Methan in die
Atmosphäre freigesetzt wird, unter bestimmten Umständen verboten.
Eigentlich müssen Unternehmen ab 1. Januar 2027 für bestimmte
Lieferverträge auch nachweisen, dass der Produzent im Herkunftsland
seine Methan-Emissionen mindestens so sorgfältig überwacht und
dokumentiert, wie es die EU von ihren eigenen Unternehmen verlangt.
Diese Vorschrift erst ein Jahr später in Kraft zu setzen, spare in
Krisenzeiten zusätzliche Kosten, sagte Kommissionspräsidentin Ursula
von der Leyen vergangene Woche.
Gleichzeitig berühre der Vorstoß weder den Ambitionsgrad noch die
Integrität und den Geltungsbereich der bestehenden Regeln und
bekräftige damit das Engagement der Europäischen Union zur
Verringerung der Methanemissionen, hieß es nun weiter von der
Kommission.
Umweltminister Schneider: Müssen Methanemissionen begrenzen
Die EU-Länder sowie das Europaparlament müssen jetzt über den
offiziellen Vorschlag beraten. Bundesumweltminister Carsten Schneider
bekräftigte jüngst, an der Reduzierung der Methanemissionen
festhalten zu wollen. «Ansonsten können wir die Klimaziele auch gar
nicht erreichen», sagte der SPD-Politiker. Die Methanemissionen seien
ganz wesentliche Treiber des Klimawandels. Deswegen gelte es, sie zu
begrenzen. Energieministerin Katherina Reiche (CDU) zeigte sich
zuletzt offen für mehr Flexibilität.
Schon früher Maßnahmen
Schon im Juli hatte die Kommission auch nach Druck der US-Gaslobby
den Mitgliedstaaten empfohlen, in den kommenden drei Jahren keine
Strafen gegen Unternehmen zu verhängen, die gegen bestimmte
EU-Klimaschutzvorschriften für Methan-Emissionen verstoßen.
Methan ist dem Umweltbundesamt zufolge nach Kohlendioxid das
Treibhausgas mit der zweitgrößten Bedeutung und für Klimaerwärmung
und Luftverschmutzung verantwortlich. Es bleibt zwar kürzer in der
Atmosphäre, ist dafür aber schädlicher als CO2.
