Katharina von Schnurbein wird neue Antisemitismusbeauftragte

14.10.2026 12:10

Der langjährige Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben,

Felix Klein, hat das Amt schon Ende August abgegeben und ist nach
Paris gewechselt. Seine Nachfolgerin kommt aus Brüssel.

Berlin (dpa) - Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von
Schnurbein wird neue Beauftragte der Bundesregierung für das Thema.
Dies teilte das Bundesinnenministerium in Berlin mit. 

Von Schnurbein tritt die Nachfolge von Felix Klein an, der nach acht
Jahren im Amt des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches
Leben und den Kampf gegen Antisemitismus als Diplomat zur
Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit nach
Paris gewechselt war.

Lange Erfahrung auf EU-Ebene

Von Schnurbein ist seit 2015 Koordinatorin der EU-Kommission für den
Kampf gegen Antisemitismus und für die Förderung jüdischen Lebens.
Für diese Ziele hatte sie 2021 eine EU-Strategie entworfen. Nach
einem Studium der Politikwissenschaften und der Slawistik in Prag,
Bonn und Oxford hatte von Schnurbein ihre Karriere bei der
EU-Kommission 2002 als Sprecherin der EU-Vertretung in der
Tschechischen Republik begonnen. In Brüssel war sie auch als
Kommissionssprecherin für Arbeit und Soziales tätig. Die 53-Jährige
stammt aus Bayern. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.

Im vergangenen Jahr hatte es eine Kontroverse um ihre Amtsführung
gegeben. Medienberichte über Äußerungen von Schnurbeins bei einem
Treffen von EU-Botschaftern in Tel Aviv führten zu Forderungen aus
dem EU-Parlament, sie abzuberufen. Von Schnurbein wurde vorgeworfen,
vor Sanktionen gegen Israel gewarnt, Positionen der israelischen
Regierung übernommen und ihre Kompetenzen überschritten zu haben. Die
EU-Kommission stellte sich jedoch hinter ihre
Antisemitismusbeauftragte. Auch Dutzende jüdische Verbände nahmen von
Schnurbein in Schutz, darunter der Zentralrat der Juden.

Lob vom Zentralrat

Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) lobte von Schnurbein als
ausgewiesene Expertin im Kampf gegen Antisemitismus. Die neue
Beauftragte selbst, die ihr Amt am 28. Oktober antreten soll, betonte
ihren Willen zur Bekämpfung von Antisemitismus. Seit dem
Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel fühlten sich viele
Jüdinnen und Juden auf der Straße, an Universitäten und in Schulen
nicht mehr sicher und gäben sich nicht mehr als Jüdinnen und Juden zu
erkennen. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster,
zeigte sich erfreut über die Personalie. «Ich halte Katharina von
Schnurbein sowohl persönlich als auch professionell für eine
herausragende Besetzung.» Bildungsministerin Karin Prien (CDU)
begrüßte die Entscheidung gegenüber dem «Tagesspiegel».