EMA empfiehlt neues Mittel gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs
15.10.2026 16:18
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der tödlichsten Arten von Krebs.
Die europäische Arzneimittelbehörde empfiehlt nun, ein neues
Gegenmittel in der EU zuzulassen.
Amsterdam (dpa) - Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt
die Zulassung eines Medikaments gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs in der
EU. Das Mittel Daraxonrasib werde für Erwachsene mit metastasiertem
Bauchspeicheldrüsenkrebs empfohlen, die zuvor mindestens eine andere
Behandlung erhalten haben, wie die Behörde mitteilte.
Patienten, deren Erkrankung sich nach einer vorherigen Behandlung
verschlechtert habe, hätten eine schlechte Prognose und nur begrenzte
Behandlungsmöglichkeiten, heißt es in der Mitteilung weiter.
Angesichts der Schwere der Erkrankung und der begrenzten Wirksamkeit
und der Nachteile der Standard-Chemotherapie bestehe ein Bedarf an
besseren Behandlungsmöglichkeiten.
Der Hersteller Revolution Medicines vertreibt das Mittel unter dem
Namen «Rasonque», in den USA ist es bereits für Patienten mit
metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs unter bestimmten Bedingungen
zugelassen.
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist sehr gefährlich
In Deutschland erkranken dem Krebsinformationsdienst und dem Robert
Koch-Institut (RKI) zufolge jedes Jahr rund 20.000 Menschen an
Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom). Die Krebsart ist eine
der tödlichsten: Dem Zentrum für Krebsregisterdaten des RKI lebt fünf
Jahre nach der Diagnose nur noch rund jeder Zehnte. Oft spüren
Betroffene in den frühen Stadien demnach keine oder nur unspezifische
Symptome, sodass der Tumor häu erst spät erkannt wird.
In einer Phase-III-Studie mit 500 Patienten überlebten Erkrankte,
deren Zustand sich nach einer anderen Therapie verschlechtert hatte,
mit dem Mittel Daraxonrasib etwa doppelt so lange wie Patienten, die
mit einer Chemotherapie behandelt wurden - der EMA zufolge nämlich im
Median 12,4 Monate statt 6,7 Monate.
Wachstum von Tumoren soll gehemmt werden
Die Wirkweise des Medikaments zielt darauf ab, das Wachstum von
Tumoren zu hemmen. Es richtet sich an Krebspatienten mit bestimmten
Mutationen, die bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sehr häufig sind. Eine
Heilung ist nicht zu erwarten.
Prüfung im beschleunigten Verfahren
Die EMA hat das Mittel in einem beschleunigten Verfahren geprüft, das
zum Einsatz kommt, wenn ein Mittel das Potenzial hat, einen
dringenden medizinischen Bedarf zu erfüllen. Dabei werden verfügbare
Daten bereits vor der Einreichung des vollständigen Zulassungsantrags
bewertet. Nach der EMA-Empfehlung muss die EU-Kommission dem
Medikament noch die Marktzulassung erteilen.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte war am
Prüfungsverfahren beteiligt. Der Präsident des Instituts, Karl
Broich, erklärte: «Für Patientinnen und Patienten mit schweren
Erkrankungen ist entscheidend, dass medizinische Innovationen
möglichst schnell verfügbar werden. «Rasonque» zeigt, dass wir im
europäischen Zulassungssystem in der Lage sind, bei hohem
medizinischem Bedarf Verfahren deutlich zu beschleunigen, ohne
Abstriche bei der wissenschaftlichen Bewertung zu machen.»
