Unicredit: EZB genehmigt Übernahme von Commerzbank-Anteilen
15.10.2026 21:02
Seit zwei Jahren pirscht sich die Unicredit an die Commerzbank heran.
Mit einem Übernahmeangebot im Sommer verfehlte sie eine Mehrheit nur
knapp. Nun gibt die EZB-Aufsicht den Italienern grünes Licht.
Frankfurt/Mailand (dpa) - Die Unicredit bekommt für die Übernahme von
Commerzbank-Anteilen nach eigenen Angaben grünes Licht von der
EZB-Bankenaufsicht. Damit kann die italienische Großbank die
Commerzbank-Aktien, die sie sich im Sommer über ein Tauschangebot
gesichert hatte, in eigene Anteile umwandeln.
Die EZB habe die Übernahme der Kontrolle über die Commerzbank
genehmigt, teilte Unicredit mit. Man habe die Genehmigung erhalten,
die Schwelle von 30 Prozent der Kapitalbeteiligung an der Commerzbank
zu überschreiten und den Anteil ohne Obergrenze weiter zu erhöhen.
«Die Entscheidung stellt einen wichtigen Meilenstein bei der
Übernahme der Commerzbank durch Unicredit dar und unterstreicht die
positive Bewertung der Transaktion durch die EZB sowie das Vertrauen
in die soliden Fundamentaldaten und die starke Position von Unicredit
innerhalb des europäischen Bankensektors», hieß es weiter.
Die verbleibenden aufsichtsrechtlichen Verfahren und Bedingungen für
den Abschluss des Angebots für die Commerzbank werden demnach
voraussichtlich gegen Jahresende abgeschlossen sein. Zu diesem
Zeitpunkt werde Unicredit über rund 50 Prozent der Stimmrechte an der
Commerzbank verfügen und die Kontrolle über die Bank übernehmen
können, hieß es.
Angebot im Mai vorgelegt
Die Großbank aus Mailand hatte im Mai ein Angebot für sämtliche
Commerzbank-Aktien vorgelegt und sich so Zugriff auf knapp die Hälfte
der Anteile an dem Dax-Konzern gesichert - teils auch indirekt über
komplexe Finanzgeschäfte. Für einen Vollzug des Aktientauschs stand
aber noch die EZB-Genehmigung aus, die als zentraler Schritt gilt.
Nach Abschluss der noch ausstehenden Verfahren steigt der
Aktienanteil der Unicredit an der Commerzbank von knapp 30 auf fast
50 Prozent.
Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) überwacht die
größten Geldhäuser im Euroraum. Ihre Erlaubnis kommt nicht
überraschend: Sie hat immer wieder deutlich gemacht, dass sie
grenzüberschreitende Bankenfusionen im Euroraum befürwortet, um den
EU-Binnenmarkt zu stärken.
Die Unicredit kann nun weitere Commerzbank-Aktien frei am Markt
kaufen. Die Italiener könnten auch ein weiteres Angebot vorlegen, was
aber wegen der üblichen Übernahmeprämie teuer wäre.
Bund will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden
Die Unicredit müht sich seit rund zwei Jahren um die Commerzbank und
hat ihren Anteil trotz des Widerstands aus Deutschland immer weiter
ausgebaut. Die Mailänder Großbank, die in Deutschland bereits mit der
Hypovereinsbank (HVB) vertreten ist, sieht Potenzial für
Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus Tausender Stellen.
Inzwischen führen Unicredit und Commerzbank Gespräche über einen
möglichen Zusammenschluss.
Der Bund, der mit seinem Commerzbank-Anteil von gut 13 Prozent ein
Wort mitzureden hat, will betriebsbedingte Kündigungen bei dem
Dax-Konzern mit seinen weltweit rund 40.000 Vollzeitkräften möglichst
verhindern. Er will erreichen, dass die Commerzbank eine
börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und
ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt.
