Streit um Waffenruhe: EU-Spitzen stärken Selenskyj Rücken
16.10.2026 10:45
Der Konflikt zwischen US-Präsident Trump und seinem ukrainischen
Amtskollegen spitzte sich zuletzt zu. Bei seinem Besuch in Brüssel
bekommt Selenskyj Rückendeckung.
Brüssel (dpa) - EU-Spitzenvertreter stärken dem ukrainischen
Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Streit um die Waffenruhe im
Energiebereich beim Gipfeltreffen in Brüssel den Rücken. Russland
habe die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Waffenruhe nicht
eingehalten, sondern die Lage eskalieren lassen, sagte
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei einem gemeinsamen
Auftritt mit EU-Ratspräsident António Costa und Selenskyj. «Deshalb
müssen wir den Druck auf Russland erhöhen», so die Politikerin. Sie
kündigte weitere Arbeit am 22. Sanktionspaket gegen Moskau an.
«Die Unterstützung der Europäischen Union für die Ukraine bleibt so
stark wie eh und je», sagte Costa. Kommentare zu den jüngsten
Spannungen zwischen Selenskyj und Trump gaben die drei Spitzen nicht
ab. Trump macht mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin wieder
Geschäfte und forderte jüngst auch die Ablösung Selenskyjs. Dieser
dankte für den Rückhalt des EU-Rats, der Kommission und der Staats-
und Regierungschefs. Selenskyj bezeichnete sie als «echte
Führungspersönlichkeiten».
Die Agenda für den Tag betreffe vor allem den Energiebedarf der
Ukraine, so Selenskyj. Man sehe derzeit keine Anzeichen dafür, dass
die russische Seite bereit sei, den Krieg zu beenden. Daher müsse
sich die Ukraine auf den Winter vorbereiten. Es gehe auch um
Luftverteidigung und finanzielle Unterstützung für 2026 und 2027.
Von der Leyen: Beitrittsverhandlungen bis Jahresende ausweiten
Alle drei Spitzenpolitiker begrüßten zudem die Fortschritte bei den
Beitrittsverhandlungen der EU mit der Ukraine. Bei einer Konferenz am
Dienstag waren Gespräche über zwei weitere Themenblöcke begonnen
worden, insgesamt gibt es in dem Verhandlungsprozess sechs dieser
sogenannten Cluster.
Von der Leyen sagte, nun sei das Ziel, bis zum Jahresende die letzten
beiden Cluster zu eröffnen, um die für den Beitritt notwendigen
Reformen wirklich in Angriff zu nehmen. Die Ausweitung der
Verhandlungen gilt als wichtiges Zeichen, dass sich die ukrainischen
Reformanstrengungen lohnen. Sie kosten das Land viel Kraft. Selenskyj
sagte: «Ich bin unserem Parlament und unserer Regierung dankbar. Sie
haben selbst unter solch massiven Angriffen hervorragende Arbeit
geleistet.»
Mit einem Abschluss der Gespräche wird nicht vor dem kommenden
Jahrzehnt gerechnet. Das Land ist nach Einschätzung von Experten
unter anderem im Bereich der Korruptionsbekämpfung noch weit von
EU-Standards entfernt.
