Selenskyj: Gesprächskanäle mit US-Seite offen
16.10.2026 15:37
In Brüssel erhält der ukrainische Präsident Selenskyj Rückendeckung
seitens der EU-Spitzen - während es zwischen ihm und US-Präsident
Trump knirscht. Dennoch setzt er weiter auf Austausch.
Brüssel (dpa) - Trotz der jüngsten Spannungen mit US-Präsident Donald
Trump rechnet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in den
kommenden Tagen mit einem neuen Treffen beider Seiten. «Wir führen
Gespräche mit dem amerikanischen Verhandlungsteam. Ich weiß, dass
unser Team in ständigem Kontakt mit ihnen steht», sagte Selenskyj am
Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Er gehe davon aus, dass in den
kommenden Tagen auch ein Treffen vereinbart werde - auf welcher
Ebene, sagte er nicht.
Selenskyj und Trump sind in den vergangenen Jahren immer wieder -
auch öffentlich - aneinandergeraten. In Brüssel betonte der
ukrainische Präsident, dass er im Vorhinein nicht über den
Diesel-Deal Trumps mit Kremlchef Wladimir Putin sowie die Aussetzung
von Sanktionen informiert worden sei.
Selenskyj will 70 Milliarden Euro mehr von der EU für 2027
Von den europäischen Staats- und Regierungschefs, an deren Beratungen
Selenskyj zuvor in Brüssel teilgenommen hatte, habe er «Unterstützung
und nur Unterstützung» erhalten. Sie verstünden die ukrainische
Position, sagte Selenskyj. Das sei eine «klare, eindeutige und
vollkommen berechtigte Haltung». Bei dem EU-Gipfel in Brüssel steht
unter anderem die finanzielle Unterstützung der Ukraine für die Jahre
2026 und 2027 auf der Agenda.
In einer Rede vor den Staats- und Regierungschefs, die Selenskyj auf
der Plattform X postete, forderte er 70 Milliarden Euro mehr von der
EU für das nächste Jahr «für die Verteidigung, für Waffen und f
ür
unsere Widerstandsfähigkeit». Der Krieg werde die Ukraine in der Zeit
155 Milliarden Euro kosten.
Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko hatte den
zusätzlichen Finanzbedarf der Ukraine bereits im September bei einem
Besuch in Brüssel erläutert. Er erklärte, im regulären Haushalt
seines Landes fehlten für nächstes Jahr 32,6 Milliarden US-Dollar
(29,1 Milliarden Euro). Die Lücke für die Verteidigungsausgaben
bezifferte er auf 45 Milliarden US-Dollar.
Hoffnung auf Aufhebung der Starlink-Drosselung
Mit Blick auf die vorübergehende Drosselung des militärisch genutzten
Satelliteninternets in der Ukraine zeigte sich Selenskyj
optimistisch, dass diese wieder aufgehoben werde. Sein
Verteidigungsministerium stehe in Kontakt mit der US-Seite. «Meine
Partner haben mir mitgeteilt, dass es Anzeichen aus dem Weißen Haus
gibt, dass diese Kapazitäten wiederhergestellt werden sollen», sagte
der Präsident.
