Moskaus Angriffe auf Exportrouten: Kallas warnt vor «perfektem Sturm»
20.10.2026 12:27
Russische Angriffe auf ukrainische Exportrouten treffen eine zentrale
Verbindung für Getreide auf die Weltmärkte. Die EU fürchtet eine
dramatische Zuspitzung der Lage - auch wegen «Super El Niño».
Straßburg (dpa) - Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnt
angesichts der Intensivierung russischer Angriffe auf ukrainische
Exportrouten in der Schwarzmeer-Region vor einer neuen globalen
Ernährungskrise. Die globalen Getreidevorräte seien derzeit zwar
größer als 2022, als Russland 20 Millionen Tonnen ukrainisches
Getreide blockiert habe, erklärte Kallas im Europäischen Parlament in
Straßburg. Derzeit gebe es aber zusätzlich zu der Situation im
Schwarzen Meer weitere Risiken für die weltweite
Lebensmittelversorgung. Dies seien Dürren auf beiden Halbkugeln, der
Konflikt im Nahen Osten mit negativen Folgen für Düngemittelexporte
und ein besonders starkes Klimaphänomen, das Kallas «Super El Niño»
nannte.
«Das globale Ernährungssystem steht vor einem perfekten Sturm»,
warnte die frühere estnische Regierungschefin. Die weltweiten
Getreidepreise lägen inzwischen auf dem höchsten Stand seit Februar
2023.
«Gefährliche und inakzeptable Eskalation»
Zu den jüngsten Entwicklungen in der Schwarzmeer-Region sagte Kallas,
sechs Angriffe mutmaßlich russischer Drohnen innerhalb von zehn Tagen
markierten eine gefährliche und inakzeptable Eskalation. Die Ukraine
sei einer der wichtigsten Agrar-Exporteure der Welt und liefere etwa
15 Prozent der weltweiten Maisexporte. Zudem liefere sie 10 Prozent
der Weizenexporte, 15 bis 20 Prozent der Gerstenexporte und 50
Prozent der weltweiten Sonnenblumenölexporte.
«Rund 90 Prozent dieser Waren werden über den Korridor im Schwarzen
Meer transportiert. Er ist die mit Abstand wichtigste Route, über die
ukrainisches Getreide auf die internationalen Märkte gelangt»,
erklärte Kallas. Russlands Handeln mache es weltweit schwieriger, die
Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Ukraine verliere zudem
schätzungsweise 60 Millionen Euro an Exporteinnahmen pro Tag.
Alternative Routen in Gefahr
Um die Lage zu verbessern, soll nach Angaben von Kallas nun versucht
werden, alternative Exportrouten auszubauen. Zudem sollen die
Überwachung sowie die Abwehr von Gefahren aus der Luft und auf See
verbessert und zusätzliche diplomatische Initiativen mit Ländern wie
der Türkei und Indien vorangetrieben werden. Russland greife
inzwischen auch Grenzübergänge zu Moldau, Rumänien und Polen an,
ergänzte Kallas. Damit gerieten auch die alternativen Routen in
Gefahr.
