Arbeit im Ausland - EU-Parlament stimmt für digitale Meldung
20.10.2026 12:59
Ob Lkw-Fahrer, Pflegerin, Bauarbeiter oder Servicetechnikerin:
Millionen Menschen arbeiten für begrenzte Zeit im Ausland. Für
Unternehmen in der EU soll der Verwaltungsaufwand sinken.
Straßburg (dpa) - Das Europäische Parlament hat Pläne für ein
digitales Meldesystem für entsandte Arbeitnehmer bestätigt.
Unternehmen sollen künftig schneller und mit weniger Aufwand melden
können, dass Mitarbeiter für begrenzte Zeit im Ausland arbeiten.
Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments hatten sich
darauf verständigt. Nach dem Parlament müssen nun noch die
Mitgliedstaaten zustimmen. In der Regel ist das nur eine Formalie.
Die EU-Kommission soll dann ein entsprechendes Portal aufbauen und
starten. Die EU-Staaten können dieses Portal dann der Einigung
zufolge anstelle ihrer bisherigen nationalen Systeme nutzen.
Entscheiden sie sich dafür, dürfen sie keine zusätzlichen Meldungen
verlangen.
Für Kontrolle von Lohn und Arbeitszeit
Entsendemeldungen sollen sicherstellen, dass die Regeln etwa zu
Mindestlohn, Arbeitszeit und Arbeitsschutz beachtet werden, wenn
Unternehmen einen Arbeitnehmer für begrenzte Zeit im Ausland
einsetzen.
In der EU gibt es nach Zahlen der Europäischen Arbeitsbehörde (ELA)
schätzungsweise 3,6 Millionen Entsendungen mit rund 2,6 Millionen
Beschäftigten. Aus Deutschland werden rund 300.000 Entsendungen
geschickt. Nach Deutschland kommen rund 1,5 Millionen Entsendungen
aus anderen EU-Staaten. Damit sei man sowohl eines der
Hauptaufnahmeländer als auch eines der Hauptentsendeländer.
Bundesministerium: Weniger Bürokratie
Das Bundeswirtschaftsministerium hatte die Einigung im Juni als
wichtigen Schritt zum Bürokratieabbau begrüßt. Ein europäisches
Portal mit einer vereinheitlichten digitalen Meldung sei eine
wesentliche Vereinfachung für die Unternehmen. «Eine Entsendemeldung
ist zum Beispiel erforderlich, wenn ein deutsches
Maschinenbauunternehmen, das eine Spezialmaschine in einen anderen
Mitgliedstaat geliefert hat, im Reparaturfall kurzfristig einen
Servicetechniker in den Mitgliedstaat schicken will», hatte das
Ministerium mitgeteilt. «Damit die Maschine nicht länger als
unbedingt nötig stillsteht, muss der Servicetechniker möglichst
schnell vor Ort sein. Deshalb ist das Unternehmen auf einen schnellen
und unbürokratischen Entsendeprozess angewiesen.»
Die EU-Kommission schätzt, dass Unternehmen durch die Nutzung des
geplanten elektronischen Standardformulars im Vergleich zum
bisherigen EU-Durchschnitt 73 Prozent der Zeit für die
Entsendungsmeldungen einsparen können.
